Marco Germano: Wer zum Umgang gezwungen werden darf und wer nicht

„Unsere Gesetzgebung gibt in diesem Fall eine scheinbar klare Antwort. Das Kind hat ein Recht darauf beide Elternteile regelmäßig zu sehen, die Eltern sind zum Umgang „berechtigt und verpflichtet“.(1)

Soll heißen: Sie müssen ihre Kinder besuchen, wenn diese den Kontakt zu ihnen suchen.

Soweit die Theorie. Wenn man sich jedoch die derzeitige Praxis anschaut, wird leider schnell klar, dass der Umgang für viele Kinder weniger ein Recht sondern viel mehr eine Pflicht ist.

Während Kinder auf der Grundlage von fragwürdigen Theorien wie z.B. dem PAS(2) zum Umgang gezwungen werden, hat das Bundesverfassungsgericht 2008(3) festgestellt, dass Eltern, die keinen Kontakt mit ihren Kindern haben möchten, nicht zugemutet werden kann, zum Kontakt verpflichtet zu werden.
Die Argumentation dabei ist ganz einfach. Es wird behauptet, dass Kinder, die den Kontakt zu einem Elternteil ablehnen, sich den Kontakt in Wahrheit doch wünschen, und ihre vorgegebene Ablehnung von anderen (meistens dem anderem Elternteil) übernommen hätten.

Merkmale dieses „übernommen“ Willens sollen sein, dass Kinder dem einen Elternteil ausschließlich positive, dem abgelehnten Elternteil ausschließlich negative Eigenschaften zuschreiben. Weiterhin gilt als verdächtig, wenn sie keine realistischen Gründe für die Ablehnung nennen können, oder wenn die Schilderungen von belastenden Erlebnissen nicht mit den dazu passenden Emotionen verbunden sind.

Personen, die Kinder in dieser Weise beeinflussten, so die in Fachkreisen häufig vertretene Meinung, handelten aus egoistischen Motiven und fügten den Kindern schweren Schaden zu. Die Aussagen der Kinder dürften deshalb nicht ernstgenommen werden. Notfalls müssten sie vom „programmierenden“ Elternteil isoliert werden und beim abgelehnten Elternteil leben.

Was auf den ersten Blick in Teilen überzeugend wirkt, stellt sich bei genauerem hinsehen jedoch als sehr zweifelhaft raus…“

weiter hier:

http://ignorierterwille-aktuelles.blogspot.de/2015/03/umgangsrecht-wer-zum-umgang-gezwungen.html

Van Gogh - Junger Mann mit Mütze

„Vater sein braucht Zeit“ — JOCHEN KÖNIG

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lud heute Vormittag unter dem Motto „Vater sein braucht Zeit“ in den Spreespeicher und es war gruselig. Ein Bericht des Grauens: Dass im ersten Teil der Veranstaltung immer wieder der richtungsweisende Erfolg des Elterngelds beschworen wird, lässt sich noch verschmerzen. Ich bin da zwar anderer Ansicht, aber…

über „Vater sein braucht Zeit“ — JOCHEN KÖNIG

Der tägliche Femizid

http://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/haeusliche-gewalt–beinahe-taeglich-stirbt-eine-frau-10871084.html

Wie bei Brigitte festgestellt wird, wird mittlerweile fast täglich eine Frau durch Gewalt ermordet !

Es muss ein Umdenken im Strafrecht und im Familienrecht erfolgen ! Im Moment wird bei Gewaltdelikten weg gesehen, die Täter werden zu Opfern und die Opfer (nämlich die Frauen) werden zu Tätern, die im Zweifelsfall alles selbst herausgefordert haben.

Im Familiengericht gar kehrt sich bei Gewaltdelikten des Vaters die Sachlage oft ins Extreme für die Mutter. Wagt die Mutter die Gewalttaten im Familiengericht anzusprechen, läuft sie Gefahr als „bindungsintolerant“ zu gelten und kann im Extremfall ihr Kind verlieren.

Über Zwangsumgänge mit dem verordnet durch Familiengerichte kann ein gewalttätiger Mann seine Opfer so immer weiter quälen.

 
Gewalt ist nie okay 04
 

 

OLG Jena: Wechselmodell ist nicht verpflichtend per Gesetz – Kritik an Sünderhauf-Ideologien

Ein aktueller Beschluss des OLG Jenas bestätigt:

„Sobald sich ein Elternteil weigert, ist kein Wechselmodell einzuführen. Eine gesetzliche Grundlage hierfür besteht nicht.“ (Zitat: http://www.anwalt-wille.de)

„OLG Jena, Beschluss vom 12.09.2016 – 4 UF 678/15
Titel:
Gesetzesauslegung, Kindeswohl, Normgenese, Scheidung, Umgangsregelung, Wechselmodell
Normenkette:
BGB § 1671 Abs. 1 S. 2 Nr. 2, § 1684 Abs. 3 S. 1, § 1687 Abs. 1 S. 2

Leitsätze:
1. Der gerichtlichen Anordnung eines paritätischen Wechselmodells gegen den Willen eines Elternteils steht – de lege lata – das Fehlen einer Rechtsgrundlage entgegen.
2. Eine Anordnung in Gestalt einer Umgangsregelung nach § 1684 Abs. 3 S. 1 BGB kommt weder bei wortlautorientierter noch bei teleologischer Gesetzesauslegung in Betracht.
3. Für eine Analogie zu § 1671 Abs. 1 S. 2 Nr. 2 BGB ist kein Raum, weil die historische Normgenese gegen die Annahme einer Gesetzeslücke spricht.
4. Die Zuweisung eines periodisch alternierenden Aufenthaltsbestimmungsrechts ist mit der Systematik der in §§ 1671 Abs. 1 S. 2 Nr. 2, 1687 Abs. 1 S. 2 BGB verankerten Wertungen strukturell nicht vereinbar.
5. Es gibt in rechtstatsächlicher Hinsicht derzeit keine hinreichend gesicherten humanwissenschaftlichen Erkenntnisse, wonach die erzwungene Anordnung eines Wechselmodells dem Kindeswohl förderlich ist.
6. Das Gelingen eines Wechselmodells setzt ein – im Rahmen einer Einzelfallentscheidung zu überprüfendes – hohes Maß an gegenseitiger Kooperation, Kommunikation und Kompromissbereitschaft der Kindeseltern voraus“

Frau Sünderhauf, die massiv die Ideologie des Wechselmodells in Zusammenarbeit mit Väterverbänden bewirbt, wird bewusste Ausblendung vorgeworfen:

„Auch die neueren Publikationen – insbesondere von Frau Professor Sünderhauf – führten nicht zu einer anderen Beurteilung. Unter Berufung auf empirische Studien wird vertreten, dass das Wechselmodell regelmäßig dem Kindeswohl am besten gerecht werde (so Sünderhauf in: FamRB 2013, 290ff. und 327ff.). Das OLG bezweifelt u.a. die Richtigkeit der Studien und wirft ihnen vor, dass in diesen die hochkonflikthafter Elternbeziehungen bewusst in den Review-Studien ausgeblendet worden seien, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen.“

Siehe hier:

OLG Jena: keine gesetzliche Verpflichtung für ein Wechselmodell

Jena-Justiz-Zentrum

KiMiss-Studie der Uni Tübingen: Ausschließlich Väter im Blick ?

Die Universität Tübingen untersucht mit der KiMiss Studie „in welchem Ausmaß das Getrenntleben oder die Trennung von Eltern und Kindern zu einer Sorgerechtsproblematik, oder zu Problemen wie Eltern-Kind-Entfremdung oder Sorgerechtsmissbrauch führt“. Nach eigenen Angaben verfolgt die KiMiss-Studie langfristige Ziele: „gesellschaftliche und praktizierbare Definitionen für Begriffe wie Sorgerechtsmissbrauch, Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung“.

Schon beim Lesen dieser einführenden Zeilen fällt die Wortneuschöpfung „Sorgerechtsmissbrauch“ auf.  Soll bereits hier etwas unterschwellig suggeriert werden ?

Wie sind die Schlagwörter „Kindesmissbrauch“ und „Kindesmisshandlung“ zu verstehen ? Im althergebrachten Sinn, oder aber im neu zu definierenden Sinn – nämlich gerichtet auf die bekannt böse und gemeine leibliche Mutter.

Nun finden wir unter der KiMiss-Liste den Hinweis „Die dem Projekt zugrunde liegende KiMiss-Liste entstammt größtenteils: Risk assessement […] Family Conflict Resolution Services, Canada […]“

Diese Organisation ist mit Väterrechtsverbänden eng vernetzt, u.a. auch mit fathers4justice.

Man darf also annehmen, dass die KiMiss-Liste in Zusammenarbeit mit Väterrechtsverbänden entstanden ist. Somit ist wohl schon der vermeintliche Unterton der ersten erklärenden Sätze zur Studie erklärbar.

Wir Mütter haben uns dennoch an der Umfrage beteiligt und waren verwundert, nein mehr noch – waren geschockt.

Hier unsere Beobachtungen:

1. Die Studie erfasst nur die Sichtweise des nicht hauptsächlich betreuenden Elternteils (also zumeist des Vaters), ohne nach den Ursachen zu fragen, weshalb es eventuell zu Kontakteinschränkungen kommt. Laut BMFSFJ ist jede dritte Frau in Deutschland von Gewalt betroffen, und nach einer Trennung ist daher das Bedürfnis der hauptsächlich betreuenden Elternteile, ihre Kinder zu schützen, besonders groß. Durch das Design der Umfrage, die nur die Sichtweise des nicht hauptsächlich betreuenden Elternteils wiedergibt, werden Elternteile, die nach Gewaltvorfällen ihr Kind schützen möchten, zu Auslösern von Kindeswohlgefährdung erklärt. Die Gewalt wird hingegen verschwiegen. Es findet gewissermaßen eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Wenn nach Beendigung die Studie die durch Weglassung entscheidender Kriterien entstandenen Zahlen veröffentlicht werden, kann dies betreuende, von Gewalt betroffene Mütter in ein schlechtes Licht rücken und eine Flut von Umgangsverfahren auslösen, die wiederum zur Belastung von Kindern durch familiengerichtliche Verfahren führen können. Ist diese Verzerrung von Daten und die Anheizung von Konflikten politisch beabsichtigt?

2. Die Studie setzt eine gleichberechtigte Elternschaft und die gleichmäßige Verteilung von Betreuungszeiten zwischen den Eltern mit Kindeswohl gleich, ohne zu differenzieren, dass dies eine Elternkategorie ist. Kinder haben individuell verschiedene Anpassungsmöglichkeiten. Beispielsweise für hochsensible Kinder, Kinder mit einer ADHS – oder Autismusproblematik kann die „gerechte Aufteilung von Betreuungszeit“ eine Überforderung darstellen. Gleiches gilt für Kinder mit einer durch die Betreuungssituation vor der Trennung bedingten sehr engen Bindung zu einer Bezugsperson (https://soc.kuleuven.be/…/6/…/Manuscript_final%20version.pdf). Die Fragen sind an dieser Stelle undifferenziert und verflacht und haben nicht die verschiedenen Bedürfnisse verschiedener Kinder und Familienkonstellationen im Blick. Durch das Design der Fragen wird ein Betreuungselternteil, der das Kindeswohl im Blick hat und deshalb für ein Zuhause und eine durchschaubare Alltagsstruktur, angepasst an die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten des Kindes, eintritt, ebenfalls zum Auslöser von Kindeswohlgefährdung erklärt.

3. Wie wird Verhalten festgehalten, das durch das Verhalten des anderen Elternteils überhaupt erst ausgelöst worden ist?

4. Wie kann in der Befragung Übertragung erkannt und ausgeschlossen werden (d.h. man würde aus einer narzisstischen Kränkung heraus selber gern entfremden, bringt aber unbewusst den anderen Elternteil dazu, genau das zu tun, um den Elternteil dann bekämpfen zu können?) Die Befragung impliziert auch hier eine Rollenumkehr.

5. Die Belastungen von Kindern durch auf einem Wechselmodell beharrende Elternteile wird nicht erfasst.

Für uns ergeben sich daraus viele Fragen.

Die Skalen müssten beispielsweise durch folgende Punkte ergänzt werden:

• Wie viel Prozent Kindeswohlschädigung treten auf, wenn ein Vater ein Kind manipuliert, indem er z.B. einem Kind mit Verweis auf die derzeitige Wechselmodellforschung sagt, dass Kinder gerecht zwischen den Eltern aufgeteilt werden müssten, und das Kind daraufhin über Jahre ein Liste darüber führt, wie viele Stunden und Tage jedes Geschwisterkind bei dem einen und bei dem anderen Elternteil ist, und das Kind infolge dessen schwer erkrankt und beinahe stirbt?

• Wie viel Prozent Kindeswohlschädigung treten auf, wenn ein Vater seinem Kind beibringt, dass das WM die beste Betreuungsform sei, das WM mit den beiden Kindern aus der zweiten Beziehung jedoch nicht hinbekommt, und das älteste Kind deshalb als Babysitter benötigt, um das WM sowohl mit dem ältesten als auch mit den beiden Jüngeren Kindern leben zu können, das älteste Kind daraufhin erkrankt?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn ein Elternteil mit Verweis auf die neueste wissenschaftliche Literatur über das Wechselmodell ein WM einklagt, nachdem er sich Jahre lang nicht um sein Kind gekümmert hat, und der andere Elternteil deshalb eine stationäre psychotherapeutische Behandlung wahrnehmen muss bzw. das Kind eine riesige Zahl von Befragungen und Sorgerechtsverfahren über sich ergehen lassen muss?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn ein Elternteil, der über Jahre voll gearbeitet hat, nach der Trennung plötzlich ein WM will und auf dem JA mit Verweis auf die Kimiss-Studie sagt: „Entweder WM, oder die Kinder haben keinen Vater mehr“?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn ein Elternteil seinem Kind erlaubt, nicht mehr zur Schule zu gehen, wenn es nicht mag, um im WM als besserer Elternteil dazustehen (das betreffende Kind hat bis heute keinen Schulabschluss machen können)?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn sich beide Eltern auf ein WM friedlich einigen, ein Elternteil aber mehrmals die Partnerin und die Wohnung wechselt, das Kind für alle, auch für den kleinen Bruder, die Verantwortung tragen muss und schließlich an Burnout erkrankt, so dass das Kind die Schule nicht beenden kann und das Gymnasium verlassen muss?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn ein Elternteil z.B. aus Angst, das Kind könne den anderen Elternteil evl. besser finden und nicht mehr wechseln wollen, einem Kind täglich genau das kauft, was auch immer es haben will?

• Wie viel Prozent Kindeswohlgefährdung treten auf, wenn ein Elternteil kein Interesse an seinen Kindern hat?

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Sie zeigt, dass Kindeswohlgefährdung in allen möglichen Betreuungskonstellationen auftreten kann und dass die Ursache sowohl bei einem hauptsächlichen Betreuungselternteil, als auch bei einem nicht hauptsächlich betreuenden Elternteil oder bei Eltern, die ihr Kind im Wechselmodell betreuen, liegen kann.

All diese Verhaltensweisen haben in den betreffenden Familien nachweislich zu schweren Erkrankungen der Kinder geführt, sind aber im Klassifikationssystem Ihrer Studie nicht enthalten.

Summa Summarum, erschließt sich nicht, wie wirksame Interventionsmöglichkeiten aus diesen Daten entwickelt werden können, wenn ein Elternteil komplett aus der Verantwortung entlassen wird.

Wie kann z.B. einem Kind geholfen werden, dessen nicht hauptsächlich betreuender Elternteil gewalttätig ist? In diesem Falle resultiert das Verhalten des hauptsächlich betreuenden Elternteils ja aus dem Verhalten des nicht hauptsächlich betreuenden und mehr Umgang begehrenden Elternteils.

Bei der Internetumfrage entstehen in diesem Fall falsche Daten, da nur das Opferempfinden des Befragten erfasst wird, nicht jedoch seine eigene Verantwortung für die Gesamtsituation.

Wirksame Interventionsmöglichkeiten sind so kaum möglich, vielmehr können dadurch sogar besonders schlimme Gefahrensituationen für Kinder entstehen.

Ein konkretes Beispiel:

Eine Gutachterin hat während einer lösungsorientierten Begutachtung einen ausgedehnten, unbegleiteten Umgang empfohlen mit der Begründung, der (mehrfach vorbestrafte) Vater wünsche viel Umgang, die Mutter wolle ihm diesen nicht gewähren, und deshalb würde hier Kindeswohlgefährdung vorliegen. Nach dem Urteil betreuten die Eltern ihre Kinder abwechselnd, bis der Vater in einem Wutanfall versuchte, sein Kind umzubringen. Wir verweisen auf die sich in letzter Zeit mehrenden erweiterten Suizide nicht hauptsächlich betreuender Elternteile.

Ein anderes Beispiel:

Ein nicht hauptsächlich betreuender Elternteil macht seinem Kind andauernd Vorwürfe und Schuldgefühle, so dass sich dieses Kind zurückzieht. Wie sollen in diesem Fall wirksame Interventionsmöglichkeiten gefunden werden, wenn dem nicht hauptsächlich betreuenden Elternteil die Verantwortung komplett abgesprochen bzw. diese gar nicht erst zum Thema gemacht wird?

Emil Fischer - Vorlesung Berlin

Der kaukasische Kreidekreis oder Leben trotz modernen Familienrechts

Nach einem Staatsstreich gegen Mütter werden alle Kinder zwischen den getrennten Eltern zu gleichen Teilen aufgeteilt.

So auch diese Familie, in der Folgendes geschah:

Die Mutter zog wegen häuslicher Gewalt aus der gemeinsamen Famillienwohnung aus. Sie ließ aber ihren Sohn Michel nicht zurück, denn er war noch ein Säugling. Dies missfiel dem Vater von Michel sehr. Er war erbost, wie sie es nur wagen konnte auszuziehen. Ohne ihn ist sie schließlich ein Nichts ! Sie war offensichtlich zum Scheitern verurteilt ! Das Kind sollte schnellstmöglich zurück zu ihm, denn er hat ein Recht auf sein Kind ! Michel war aus Sicht des Vaters alt genug, um über längere Strecken ohne die Mutter zurecht zu kommen, und diese Stillerei war ihm eh schon immer ein Dorn im Auge.

Da es der Mutter nicht erlaubt ist mit ihrem Kind aus dem Umkreis des Vaters zu ziehen, musste sie in derselben Stadt verbleiben. Glücklicherweise konnte die Mutter mit Kind bei ihrem Bruder sicheren Unterschlupf finden. Als dem Vater die neue Adresse von Mutter und Kind bekannt war, ging er sofort zum Jugendamt und informierte sich über seine Rechte. Die Mitarbeiter des Jugendamts bestärkten den Vater vehement, auf sein Umgangsrecht mit dem Kind zu pochen, denn selbst ein gewalttätiger Vater kann schließlich ein guter Vater sein. Also suchte er Mutter und Kind immer wieder bei der neuen Adresse auf und versuchte mit Nachdruck Zutritt zu erhalten. Lautstark erhob er alleinigen Anspruch auf das von ihm gezeugte Kind: Das Kind sollte nach seinen Erziehungsmethoden aufgezogen werden ! Als das Jugendamt davon erfuhr, dass die Mutter das Kind vor dem Vater schützte und Dinge sagte wie „Ein Kind gehört von Natur her zur Mutter – ein Säugling noch mehr. Ich habe es geboren und zur Welt gebracht. Nichts ist der Mutterliebe gleich.“ attestierte das Amt ihr Bindungsintoleranz sowie eine symbiotische Beziehung zum Kind. Die Mutter-Kind-Bindung war ganz offensichtlich viel zu stark, es galt diese zu lösen.

Der Fall wird an das Familiengericht übergeben. Der zuständige Richter war naturgemäß kein Kinderpsychologe, ihm waren die Bedürfnisse eines Säuglings unbekannt oder wahlweise völlig egal. In dem zu verhandelnden Fall ordnete er an, dass der Beweis der Vaterschaft durch einen bestimmten dafür vorgesehenen Test zu erbringen war. Dazu wurde ein Kreis mit Kreide auf den Boden des Gerichts gezeichnet, der Säugling wurde sodann in die Mitte gelegt. Beide Eltern sollten nun gleichzeitig versuchen, das Kind zu sich aus dem Kreis herauszuziehen, denn es heiße „die wahre Mutter wird die Kraft haben, ihr Kind aus dem Kreis zu reißen“.

Herrisch riss der Vater sein Kind an sich. Dies löste bei der Mutter tiefstes Mitleid für ihr Kind aus – unendlich traurig ließ sie los – das wahrhaft Mütterliche liebt und strebt nach Heilung des Kindes, nicht nach Schmerz. Der Vater jedoch hatte das Kind nun in Besitz und ließ es nicht mehr los. So wurde nicht der leiblichen Kindesmutter das Kind zugesprochen, sondern dem Vater. Der Richter stellte fest, dass der Vater ein Anrecht auf seinem Sohn habe und die Mutter versuchte, dies zu verhindern. Aus diesem Grund musste die Mutter Kind laut Familiengericht mit der Konsequenz der Trennung vom Kind bestraft werden. Der Vater heiratete erneut und machte seine neue Frau zur Mutter. Der leiblichen Mutter verweigerte er jeglichen Kontakt zum Sohn.

Doch hieß es nicht „dass da gehören soll, was da ist, denen, die für es gut sind“ ?

poorbaby

Wechselmodell auf Teufel komm raus – Ideologie und Wirklichkeit

Ich möchte mich an Sie wenden, da ich selber seit 7 Jahren das Wechselmodell praktiziere. In meiner Heimatstadt wird dieses Modell seit einigen Jahren sehr häufig erzwungen, indem mit Inobhutnahme der Kinder oder dem Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes beider Eltern gedroht wird. Daher habe ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis viele Familien, die dieses Modell bereits praktizieren. Darüber hinaus arbeite ich beruflich mit Kindern, die unter diesem Modell leiden.

Ich bin 42 Jahre alt und habe 4 Kinder.

Ich stamme aus Ostdeutschland und bin mit der DDR – Ideologie der Gleichberechtigung beider Eltern groß geworden. In meiner Heimat war es normal, dass kleinste Kinder montags in Kinderwochenkrippen abgegeben wurden und am Freitag Nachmittag von den Eltern wieder abgeholt wurden. Der Protest dieser nun bereits erwachsen gewordenen und psychisch stark beeinträchtigten Kinder, der nach der Wende laut wurde, ist längst vergessen. Die staatlich verordnete Gleichstellungspolitik führte in unserer Familie dazu, dass meine voll berufstätigen Eltern uns Kinder von morgens bis abends in der Kita, von einer Tagesmutter und von den Großeltern fremdbetreuen ließen, in dieser Zeit promovierten und beruflich stark eingespannt waren. Ich habe mich als Kind sehr einsam gefühlt und meine Eltern vermisst und meine Kindheit insgesamt als sehr hektisch und ruhelos in Erinnerung.

Als ich den Vater meiner Kinder kennenlernte, erzählte er das Gleiche aus seiner Familie. Daher entschlossen wir uns, eine Einverdienerehe zu führen.

Während meiner Ehe war ich fast vollständig für die Erziehung der Kinder verantwortlich, insgesamt 8 Jahre überwiegend mit den Kindern zu Hause, und habe in den Zeiten zwischen den Erziehungszeiten halbtags studiert und nach dem 3. Kind den Einstieg in die Selbständigkeit gewagt, die ich aber wieder aufgeben musste wegen einer Hochrisikoschwangerschaft.

Nach der Trennung vor 7 Jahren wurde unsere Familie vom Jugendamt in eine Mediation geschickt. Dort sagte man mir, dass die Kinder beide Eltern zu genau gleichen Teilen brauchen; es wären die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung, dass ein Machtgleichgewicht zwischen den Eltern hergestellt werden müsse. Ansonsten würden die Kinder ins Heim kommen.

Da ich weder Zeit noch Kraft hatte, mich rechtlich beraten zu lassen – das jüngste Kind war zu diesem Zeitpunkt 1 Jahr alt -, habe ich dem Wechselmodell zugestimmt.

Die Kinder entwickelten nach Einrichtung des Wechselmodells massive Bindungsstörungen. Die beiden kleinen Geschwister weinten nur noch, sobald ich sie nicht auf dem Arm umhertrug. Das jüngste Kind begann, mich zu schlagen. Die beiden ältesten Kinder wurden schwer krank. Ich musste in dieser Zeit meine Ausbildung abbrechen, um die Kinder auffangen zu können. Die Konflikte zwischen dem Vater und mir wurden immer größer, statt kleiner. Die Erkrankungen der Kinder, der überaus komplizierte Alltag, die äußerst prekäre finanzielle Lage, die dadurch entstanden war, dass nun zwei Wohnungen für jeweils fünf Personen finanziert werden mussten, obwohl nur ein Gehalt da war, meine fehlenden beruflichen Perspektiven – die Bevölkerung in meiner Heimatstadt wächst und wächst, die Arbeit wird dagegen immer weniger, die Mieten immer teurer-, die Unmöglichkeit, dies zu ändern, die fehlende Zeit für die Kinder aufgrund von Zweit- und Drittjobs, die ich in der Folge annahm, um das Wechselmodell zu finanzieren, die sich auf die Kinder übertragende Unruhe – der Alltag wurde so konfliktreich und anstrengend, dass die Kinder immer mehr darunter litten.

Der Vater war wegen der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Wechselmodellforschung nicht dazu zu bewegen, das Wechselmodell zu beenden.

Nun ist es so, dass ein einmal installiertes Wechselmodell nicht mehr beendet werden kann, sollte ein Elternteil daran festhalten. Die Kinder müssen schon nahezu sterben, bevor sie jemand hört und bevor jemand einem Kind glaubt, wenn es sagt, dass so ein Leben zu anstrengend ist. Bei Erwachsenen findet es keiner merkwürdig, wenn z.B. ein berufliches Pendelleben aus gesundheitlichen Gründen beendet wird. Bei Kindern dagegen kann nicht sein, was nach den Erkenntnissen der Wechselmodellforschung nicht sein darf.

Auch bei uns war dies so der Fall. Unsere Kinder wurden mit Hinweis auf die Forschungsergebnisse zum Wechselmodell nicht gehört, und so stellte ich einen Antrag auf Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes. Die Begutachtung dauerte über 2 Jahre. Das Gutachten war sachlich falsch. Unter anderem stand darin, dass beide Eltern die Kinder zu gleichen Teilen großgezogen hätten. In Wirklichkeit hatte ich wegen der Betreuung der Kinder meine Ausbildung nie abschließen können und lebte im Zeitraum der Begutachtung teilweise von Hartz IV. Von den vielen Jahren meiner Sorgearbeit stand nichts im Gutachten.

Die Kinder wechselten nach den Erkenntnissen der neuesten Forschung über Jahre zu verschiedenen Zeiten paritätisch. Wir konnten wegen der verschobenen Wechsel, die auch auf die Wochenenden fielen, über Jahre hinweg am Wochenende nicht verreisen, geschweige denn Großeltern besuchen oder ein normales Leben führen. Die Kinder lebten abwechselnd in 4 verschiedenen Konstellationen: zu zweit beim Vater, zu viert beim Vater, zu zweit bei der Mutter, zu viert bei der Mutter.

Unser ältestes Kind wurde so krank, dass es intensivmedizinisch behandelt werden musste und für 1 Jahr nicht mehr schulfähig war. Es wurde wieder gesund, nachdem wir ihr freigestellt hatten, dass es das Wechseln beenden dürfe, wenn ihm das helfen würde, wieder gesund zu werden.

Unser zweites Kind bekam ebenfalls eine schwere Erkrankung, die erst dann aufhörte, als in einem Vergleich beschlossen wurde, dass es nicht mehr wechseln musste.

Beide großen Kinder lebten über mehrere Jahre hinweg, den gesamten Zeitraum des Wechselmodells, aus dem Koffer, sie weigerten sich, ihr Gepäck auszupacken, mit der Begründung, es würde sich nicht lohnen, da sie ja eh bald wieder wechseln müssten. Da ich wegen des Wechselmodells vom Vater kaum Unterhalt erhielt, hatte ich massive wirtschaftliche Sorgen. Ich begann wiederum eine Ausbildung, die es aber nicht in Teilzeittätigkeit gab. Ein Kind erzählt mir noch heute, dass es nachmittags oft weinend vorm Fernseher gesessen hat, weil ich nicht mehr da war. Die ganze Kindheit war es so gewesen, dass ich für meine Kinder da war und sie in die Arme nahm, wenn sie aus der Kita oder der Schule kamen. Jetzt war keiner mehr für sie da.

Die beiden jüngsten Kinder wechseln immer noch. Sie sagen, dass es doof ist, immer umziehen zu müssen. Sie möchten trotzdem weiter wechseln, damit es nicht so ungerecht sei. Unser jüngstes Kind hatte eine so starke Enuresis, dass er um ein Jahr von der Schule zurückgestellt werden musste. Auch jetzt näßt es noch manchmal ein, obwohl wir Eltern alle Konflikte von den Kindern fernhalten. Die beiden Kleinen entwickeln sich komplett anders, als ihre großen Geschwister. Sie sind gut in der Schule und funktionieren – sie funktionieren eigentlich immer. Es gibt außer der Enuresis keine sichtbaren Auffälligkeiten. Sie haben sich Gefühle wie Heimweh oder Sehnsucht komplett abgewöhnt. Man kann diese Kinder problemlos überall abstellen. Wenn sie verreisen, haben sie keinen Abschiedsschmerz, wenn sie von einer Klassen- oder Kitafahrt wiederkommen, ignorieren sie die Eltern, da sie in der Regel ja nicht an dem Ort wieder ankommen, von dem aus sie aufgebrochen sind. Ich könnte sie wahrscheinlich sogar problemlos über Monate in eine andere Familie geben. Auf Trennungen reagieren sie völlig gefühllos. Unser Jüngstes ist früher sogar mit wildfremden Menschen mitgegangen und hat sich in der Öffentlichkeit auf den Schoß fremder Menschen gesetzt.

Insgesamt strahlen die Kinder eine gewisse Unruhe aus und fühlen sich oft innerlich leer. Mir fällt dies besonders auf, da ich ja den unmittelbaren Vergleich habe mit dem normalen Spielverhalten der älteren Geschwister. Z.B. bauen sie weder zu ihren Spielsachen noch zu ihrer Umgebung eine enge Beziehung auf – die Beziehungen zu Spielsachen oder Kleidung sind oft flüchtig und manchmal beinahe gefühllos, da in der Regel nichts in ihrem Umfeld einen festen Ort hat und nichts dauerhaft verfügbar ist. So gibt es beispielsweise kein Lieblingskleidungsstück mehr und auch kein Lieblingsplüschtier, um das man sich sorgt und das man vermisst. Sie können sich zu Hause nur schlecht beschäftigen und haben kein Interesse daran, sich ihr Umfeld schön zu machen oder Spielsachen hübsch anzuordnen. Meistens fragen sie, im Gegensatz zu ihren älteren Geschwistern, nach technischem Spielzeug, mit dem sie sich von der inneren Leere ablenken. Sie gehen nicht gern an die frische Luft. Im Alltag sind sie mit den Wechseln und dem langen Arbeitstag in Kita und Schule komplett ausgelastet und oft sehr erschöpft.

Wenn ich unsere Großen nach dem besten Umgangsmodell frage, sagen sie immer, dass das Wechselmodell das beste Modell sei, da es für die Eltern gerecht sei. Wir haben Ihnen, da sie so krank waren, freigestellt wieder zu wechseln – sie tun es nicht, obwohl sie sagen, es sei das beste Modell.

Die derzeitige Forschung zum Wechselmodell deckt sich in weiten Teilen NICHT mit meinen und den Erfahrungen in meinem Umfeld. Ich wundere mich daher immer wieder von neuem, wie es zu so einer Forschung kommen kann. Sind wir hier in meiner Heimatstadt die große Ausnahme? Oder stimmt etwas mit der Forschung nicht?

Ich möchte Ihnen einige Beispiele aus meinem Freundeskreis geben:

1. Wechselmodelle können Entfremdungen überhaupt erst AUSLÖSEN, statt sie zu verhindern.

Wenn Kinder das Wechselmodell beenden, weil sie krank werden oder es nicht mehr aushalten können, brechen sie den Kontakt zu demjenigen Elternteil ab, der das Wechselmodell wünscht. Die Erklärung ist ebenso einfach wie plausibel: Diese Kinder fühlen sich schuldig und als Verräter – um diesem unangenehmen Gefühl zu entgehen, vermeiden sie den Kontakt. Die Auswirkungen sind besonders verheerend, wenn der das Wechselmodell wünschende Elternteil das Verhalten des Kindes als PAS interpretiert und dem anderen Elternteil die Schuld daran gibt. In meinem Bekanntenkreis haben einige Kinder aufgrund des Wechselmodells den Kontakt zu einem Elternteil gänzlich verloren.

2. Das Wechselmodell führt in Familien mit mehreren Kindern, mit einer konfliktbehafteten Elternbeziehung oder engen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht zu einer Entlastung, sondern VERMEHRT die Belastung der Kinder.

3. Ein Wechselmodell schafft bei Familien mit Kindern in verschiedenem Alter KEINE Freiräume und Erholungszeiten für die Eltern, sondern es VERMINDERT nutzbare Erholungszeit aufgrund der sich überlappenden Wechselabstände.

4. Unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze sind Wechselmodelle für Eltern so teuer, dass diese überhaupt keine Zeit mehr für ihre Kinder haben, weil sie die wenige Zeit, die ihnen bleibt, dazu benutzen müssen, um Geld für die doppelte Mietbelastung zu erwirtschaften. Der Mietbelastung entkommen kann man jedoch auch nicht, da man ja nicht umziehen kann.

5. Das Wohlbefinden der Kinder im Wechselmodell hängt unmittelbar damit zusammen, wie ihre Bindungen zum Zeitpunkt der Trennung waren. Einige Kinder mit einer starken Bindung zu einem der beiden Elternteile leiden deshalb stark unter dem Wechselmodell.

6. Kinder mit neuen Patchworkgeschwistern fühlen sich wie Kinder zweiter Klasse, da die Geschwister immer da sind, sie jedoch „nur zu Besuch“.

Ich kenne in meinem Umfeld kein einziges Beispiel dafür, dass ein Wechselmodell über längere Zeit stabil war oder zu einer besonders guten Entwicklung der Kinder beigetragen hätte, im Gegenteil:

In einer Familie wurde ein Wechselmodell festgelegt, um dem gewalttätigen Vater Verantwortung zu übertragen und dadurch den Konflikt zu entschärfen. Das Ergebnis war, dass der Vater auch gegenüber den Kindern gewalttätig wurde und diese nach massiven Übergriffen geflüchtet sind. Sie haben keinen Kontakt mehr zum Vater.

In einer zweiten Familie ist das Kind nach einigen Jahren in eine Wohngruppe gezogen, weil es keinen der Eltern verletzen, aber auch nicht mehr weiter wechseln wollte.

In einer dritten Familie hat die Tochter über Jahre die Mutterrolle für die jüngeren Halbgeschwister übernommen, die beim Vater ebenfalls im Wechselmodell lebten. Dieses Kind wurde schwer krank, hat aber immer behauptet, das Wechselmodell sei die beste Betreuungsform. Zum Vater hat sie jetzt, als Erwachsene, kaum mehr Kontakt.

In einer vierten Familie musste die Tochter wegen einer Burnouterkrankung das Gymnasium verlassen. Sie war eine besonders begabte Schülerin, hat aufgrund des Wechselmodells jedoch geringere Bildungschancen und eine zerstörte Gesundheit.

In einer fünften Familie wollten die Kinder, die meine Schüler waren, nicht mehr Kinder zweiter Klasse in der neuen Familie ihres Vaters sein und sind ganz zu den beiden Halbgeschwistern, dem Vater und deren neuer Partnerin gezogen. Den Kontakt zur Mutter haben sie aufgrund von Schuldgefühlen gegenüber der Mutter abgebrochen.

In einer sechsten Familie zerbrach die Zweitfamilie des Vaters daran, dass die neue Frau nicht mit ihrer Rolle als Wechsel-Stiefmutter umgehen konnte. Das Ergebnis: Jetzt sind es schon vier Kinder, deren Familien zerbrochen sind.

In einer siebten Familie hat ein sehr vermögender Vater das Wechselmodell gegen die Mutter der Kinder durchgesetzt und die Kinder anschließend mit seinem Vermögen „gekauft“, so dass sie jetzt kaum mehr Kontakt zur Mutter haben.

In einer achten Familie hat der Vater ein Wechselmodell gerichtlich durchgesetzt, kümmert sich aber nicht um die Kinder, wenn sie bei ihm sind, sondern lässt sie von anderen Personen betreuen. Wenn die Kinder sich darüber beschweren, wird ihnen nicht geglaubt.

Ich würde mir wünschen, dass die Wechselmodellforschung weniger ideologiegefärbt ist, sondern differenzierter und besonders die Familien in den Blick nimmt, die bereits ein Wechselmodell praktizieren. Dazu müsste es Langzeitstudien geben und keine einmaligen Massenbefragungen wie bei der vom BMFSFJ in Auftrag gegebenen Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht.

Ich wünsche mir darüber hinaus, dass bei Befragungen von Kindern im Wechselmodell beachtet wird, dass diese Kinder wegen des wechselseitigen Loyalitätsdrucks NICHT dazu in der Lage sind, zu äußern, wenn es ihnen nicht gut geht. Dies habe ich sehr deutlich bei meinen eigenen Kindern erlebt. Eine Ablehnung des Wechselmodells setzen die Kinder damit gleich, einem Elternteil „untreu“ zu werden. Sie werden sich davor hüten, dies zu tun. Ihre Äußerungen sollte man daher nicht damit verwechseln, dass es diesen Kindern besonders GUT GEHT – sie FUNKTIONIEREN nur besonders gut, da sie für das Gleichgewicht der Eltern eine besondere Verantwortung übernommen haben. Ich wünsche mir darüber hinaus, dass die aggressive Wechselmodellwerbung in den Medien verschwindet. Die einseitige, undifferenzierte und ideologisch verzerrte Sicht auf das Wechselmodell führt dazu, dass die Zahlen der Umgangsverfahren ins Unermessliche wächst, und dass immer erbitterter um Umgänge gestritten wird – fernab jeglicher Vernunft und fernab des Blickes auf die Kinder.

H. Artsatpanyan, Sick child, 1900

Ich wollte noch Abschied nehmen

Ich wollte noch Abschied nehmen (von meinem Kind)

Und gestern drang die Nachricht dann zu mir

ich weiß nicht, aber es zerriss mich schier

denn keiner kann mir sagen wie es geschah

keiner aus unsrer Familie war noch da

du schriest nach mir,

 

das hat man mir gesagt

was für eine grausame, gesellschaftliche Tat

du hättest ein glückliches Kind werden können

und irgendwie wollte dir das JA das nicht gönnen

 

Und ich wollte noch Abschied nehmen

das werd ich denen nie vergeben

das JA sagt du musst von uns gehen

jetzt soll ich dich nie mehr sehen

 
Verzeih mir all die Dinge, die ich sagte

nur weil mich wieder irgendetwas plagte

verzeih mir und der Familie,

dass wir nicht da waren

vergib mir, dass ich nicht mit all dem klar kam

ich wollte noch Abschied nehmen

das werd ich denen nie vergeben

das JA sagt du musst von uns gehen

jetzt soll ich dich nie mehr sehen

Werd ich dich wirklich nie mehr sehn ?

Werd ich dich wirklich nie mehr sehn ?

Was machen ich jetzt ohne meinen Held

wir vermissen dich und ich scheiß aufs große Geld

du bist weg, was nützt der ganze Mist

mein kleines Kind wird für immer vermisst

 

Und ich wollte noch Abschied nehmen

das werd ich denen nie vergeben

das JA sagt du musst von uns gehen

jetzt soll ich dich nie mehr sehen

warum musstest du unter Zwang von uns gehn?

jetzt soll ich dich nie mehr seh’n ?!

Ich werd dich Wiedersehen ! Ich werd dich Wiedersehen !

 

Ursprungstext X. Naidoo
umgetextet j.m./ Kindeswohlaktiv-MKR

ZUM GEDENKEN ALLER KINDER; DIE DURCH DAS JA & FAMILIENRECHTSSYSTEM
IHREN ELTERN ZU UNRECHT ENTRISSEN WURDEN!

 

Ernst Barlach Das Wiedersehen 1926 Mahagoni-3