Gewalttat mit familienrechtlichen Hintergrund wurde nicht geahndet

Gefunden hier:

http://www.merkur-online.de/lokales/freising/landkreis/streit-gemeinsamen-sohn-eskaliert-3577044.html

Wegen Körperverletzung musste sich der Kindsvater (33) jetzt vor dem Amtsgericht Freising verantworten. Das Opfer (59) hatte seine Nachbarin (42) und deren anderthalbjährigen Buben an jenem 26. Juli 2013 aus Sorge um deren Wohl zu der Kindsübergabe begleitet. Das Kind soll sich vor dem Vater gefürchtet und vor den Treffen immer geweint haben, weil es nicht zu dem 33-Jährigen wollte, sagte die 42-Jährige im Prozess aus. Am fraglichen Tag sprach der Nachbar den Angeklagten darauf an: „Du, warum weint das Kind immer, wenn es dich sieht?“ Daraufhin verlor der Mann die Fassung, sagte sein Anwalt vor Gericht. Er stieß den Schlosser auf die viel befahrene Hauptstraße, wobei der sich das Handgelenk brach. Reflexartig war die Kindsmutter auf die Straße gestürzt, um Autofahrer mit ausgebreiteten Armen zu warnen. Das Opfer musste operiert werden. Eine zweite Operation steht noch bevor.

Wie sehr die 42-Jährige, die vor Gericht als Nebenklägerin auftrat, unter den sich seit Jahren hinziehenden Auseinandersetzungen mit ihrem Ex-Partner leidet, war ihr während des Prozesses anzumerken. Hektisch, beinah außer sich, erzählte sie, wie der Angeklagte sie am Arbeitsplatz und daheim terrorisierte, sie regelrecht gestalkt und schließlich mit Klagen überhäuft habe.

Das Gericht stellte nach kurzer Beratung mit allen Prozessbeteiligten das Verfahren gegen Auflagen ein. Der Angeklagte muss 2000 Euro an den Verletzten zahlen. Seine Ex-Partnerin erhält 500 Euro. Unmittelbar nach Urteilsverkündung erklärten der 59-Jährige und seine Frau, das Geld spenden zu wollen. Die 42-Jährige und ihr Anwalt dagegen hätten den Angeklagten gern verurteilt gesehen. Die Schwere der Verletzung und die Brutalität der Attacke sprächen gegen eine Verfahrenseinstellung, sagte der Anwalt. „In Freising werden Schläger frei gesprochen!“ rief seine Mandantin. In ihrer Entscheidung hatte sich Richtern Tanja Weihönig in erster Linie wohl an der deutlichen Diskrepanz der verschiedenen Aussagen orientiert. Während die Kindsmutter angab, dass der Angeklagte ihren Begleiter mit heftigen, trommelartigen Schlägen gegen den Oberkörper auf die Straße gestoßen und danach auf ihn eingetreten hatte, berichtete das Opfer lediglich von einem Stoß. Der 33-Jährige ist außerdem nicht vorbestraft. Nach Information beider Anwälte verbindet die Richterin mit der Einstellung offenbar die Hoffnung, die langwierige Auseinandersetzung zwischen den Eltern des kleinen Buben zu beenden. (an)

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