Fernuni Hagen: Gravierende Eingriffe in Lebenswege von Kindern – Gutachten oft mangelhaft

Gefunden hier:

http://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2014/07/01-am-rechtspsychologie.shtml

 

Gravierende Eingriffe in Lebenswege von Kindern: Gutachten oft mangelhaft

Studie der FernUniversität wertete 116 Gutachten im OLG-Bezirk Hamm aus

 

„Erhebliche handwerkliche Fehler“ bei der Erstellung rechtspsychologischer Gutachten haben Prof. Dr. Christel Salewski und Prof. Dr. Stefan Stürmer vom Institut für Psychologie der FernUniversität in Hagen festgestellt, als sie jetzt in einer Studie 116 Gutachten aus den Jahren 2010 und 2011 im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm untersuchten. Insbesondere fanden sie zahlreiche mangelnde psychologische Fundierungen des gutachterlichen Vorgehens und den Einsatz fragwürdiger Diagnoseinstrumente: „Tatsächlich erfüllt nur eine Minderheit der Gutachten die fachlich geforderten Qualitätsstandards“, so Prof. Salewski. Ein Zusammenhang zwischen rechtspsychologischer Fachausbildung und Qualität der Gutachten liegt für beide Wissenschaftler nahe.

 

187.027 Ehen wurden im Jahr 2010 in Deutschland geschieden, 145.146 Kinder erlebten dadurch einschneidende Änderungen in ihrem Leben – hinzu kommen noch die Trennungen nichtehelicher Lebensgemeinschaften (die vom Statistischen Bundesamt nicht erfasst werden). Bei besonders heftigen Streitigkeiten über elterliche Sorge, Aufenthalt der Kinder oder Umgangsrecht sollen Psychologinnen und Psychologen als Sachverständige Empfehlungen für die Richterinnen und Richter erarbeiten, deren Entscheidungen den Lebensweg der Kinder oft gravierend beeinflussen.

Viele dieser familienrechtspsychologischen Gutachten weisen jedoch schwerwiegende Qualitätsmängel auf, stellten Prof. Christel Salewski und Prof. Stefan Stürmer in ihrer Studie „Psychologische Gutachten für das Familiengericht: Diagnostische und methodische Standards in der Begutachtungspraxis“ fest.

Prof. Salewski (Lehrgebiet Gesundheitspsychologie) und Prof. Stürmer (Sozialpsychologie) untersuchten 116 familienrechtspsychologische Gutachten aus den Jahren 2010 und 2011 aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm. 91,4 Prozent davon wurden von Diplom- oder M.Sc.-Psychologen verfasst. Sie stellten fest, dass in 56 Prozent der Gutachten aus der gerichtlichen Fragestellung keine fachpsychologischen Arbeitshypothesen abgeleitet wurden Diese „Psychologischen Fragen“ strukturieren den Begutachtungsprozess und sind damit eine grundlegende Voraussetzung für ein aussagekräftiges Gutachten: „Der Gutachter muss die gerichtliche Fragestellung in ‚Psychologische Fragen‘ übersetzen und dann geeignete diagnostische Verfahren auswählen, um diese Fragen beantworten zu können“, erläutert Christel Salewski.

 

In 85,5 Prozent der Gutachten wurde die Auswahl der eingesetzten diagnostischen Verfahren nicht anhand der „Psychologischen Fragen“ begründet. Bei 41 Gutachten (35 Prozent) erfolgte die Datenerhebung ausschließlich über methodisch problematische Verfahren wie unsystematische Gespräche und ungeplante Beobachtungen, keine oder psychometrisch ungenügende projektive Tests bzw. testähnliche Verfahren. Lediglich in zwei dieser Fälle wurde auf mögliche methodische Einschränkungen der Ergebnisse hingewiesen. Je nachdem, welche Kriterien zugrunde gelegt wurden, beurteilten die beiden Hagener Wissenschaftler ein Drittel bis mehr als die Hälfte der Gutachten als fehlerhaft.

 

Ihre Analysen zum Qualifikationshintergrund der Sachverständigen zeigten allerdings, dass die Qualifikation zum „Fachpsychologen Rechtspsychologie“ mit einer nachweislich höheren Qualität der Gutachten einhergeht. Ca. ein Drittel der Gutachten wurde von Fachpsychologen für Rechtspsychologie erstellt, die von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.v. (DGPs) bzw. dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) zertifiziert wurden. Die Qualität ihrer Gutachten war nachweislich höher als die der anderen Gutachter.

 

 

Für Christel Salewski sind die Ergebnisse ihrer Studie „alarmierend“: „Die Richter stützen ihre Entscheidungen in starkem Maße durch die in den Gutachten ausgewiesenen Empfehlungen. Man darf nicht vergessen, dass hier Kinder involviert sind, über deren weiteres Leben gerichtliche Entscheidungen gefällt werden. Der Gutachter muss daher in seinem Bericht alle Informationen zu seinem Vorgehen eindeutig und ausführlich darstellen. Nur so kann ein ausreichendes Maß an Transparenz und Nachvollziehbarkeit sichergestellt werden.“

 

Auch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Richtern und Psychologen könnte nach Prof. Salewskis Ansicht helfen, die Qualität zu steigern: „Ein intensiverer interdisziplinärer Austausch zwischen Richterschaft und Psychologen über den Begutachtungsprozess würde dazu beitragen, dass qualifizierte Gutachten und sorgfältig arbeitende Gutachter künftig besser erkennbar werden.“

 

Das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Studie unterstützt und nahm sie zum Anlass, das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz im Hinblick auf einen verbesserten Dialog zwischen Richtern und Sachverständigen einzuschalten. Das Berliner Justizministerium plant hierzu eine Veranstaltung und hat die beiden FernUni-Wissenschaftler zu einer Vorbesprechung am 8. Juli eingeladen.

 

5e4w

von Rondell Melling (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Flyer der bayerischen Mütterinitiative

Logo-Mütter-wehren-sich

Flyer-Mütterinitiative

Vorwort

Die Geburt ihres Kindes verändert das Leben einer Frau dramatisch. Es wird das Wichtigste in ihrem Leben, ihr Kind gut zu versorgen und zu beschützen. Wir erleben tagtäglich, dass es Müttern in strittigen Trennungsfällen schwer bis unmöglich gemacht wird, diesen Schutz aufrecht zu erhalten.
Wir nehmen wahr, dass der im Grundgesetz Artikel 6 Abs 4 zugesicherte Anspruch der Mutter auf Schutz und Fürsorge der Gemeinschaft in den Familiengerichten oft nicht eingelöst wird.

Wir von der Mütterinitiative möchten, dass
» die Rechte von Müttern und Kindern wieder gewahrt werden!
» die Stellung der Mutter in der Gesellschaft verbessert wird!

Was Wir Wollen
» Frauen mit Kindern soll ein selbstbestimmtes Leben möglich ist!
» Unverheirateten Müttern muss automatisch wieder das alleinige Sorgerecht zufallen
» Eingeschränktes Umgangsrecht für Väter, die nie in häuslicher Gemeinschaft mit dem Kind gelebt haben.
» Einen zentralen Lebensmittelpunkt für das Kind mit stabiler Bindungsperson („ein Nest“). Kein „Wechselmodell“ bei dem das Kind jede Woche die Wohnung wechseln muss.
» „Safety First“: Schutz von Mutter und Kind bei Gewalt des Kindsvaters. Einzelfallprüfung und gegebenenfalls Aussetzung des Umgangs zum Schutz des Kindes. Auch das Miterleben von Gewalt muss in den Familiengerichten als Kindeswohlgefährdung gesehen werden.
» Keinen unbegleiteten Umgang für Babies und Kleinkinder

Die gegenwärtige Situation
» Das familienrechtliche Helfersystem (Verfahrensbeistände, UmgangspflegerInnen, MediatorInnen, Elternberatungsstellen, etc.) profitiert wirtschaftlich von der familiengerichtlichen Situation. Deshalb ist das Interesse an einer Beilegung der Streitigkeiten oft gering. Die Belastungen, das familienrechtliche Helfersystem zu bedienen (Elternberatungen, Gespräche, Stellungnahmen, etc.), ist für Mütter enorm zeitaufwendig und emotional belastend. Dies geht zu Lasten der Kinder.
» Die finanziellen Belastungen von Müttern in Kindschaftsrechtsstreitigkeiten sind enorm. Gerade alleinerziehende Mütter sind jedoch bekanntlich in hohem Maße von Armut bedroht.
» Den Rechten eines Vaters stehen keine entsprechenden Pflichten gegenüber. Die Pflichten werden ausschließlich der Mutter zugeordnet. Wenn ein Vater sein Umgangsrecht wahrnehmen will, darf er es – auch nach mehreren Jahren Abwesenheit – ohne jegliche Auflagen erfüllen zu müssen. Wenn er sein Umgangsrecht nicht ausüben will, muss er keinerlei Sanktionen befürchten. Die Mutter jedoch wird dazu gezwungen, das Kind an den Vater auszuliefern, auch wenn sie weiß, dass dem Kind damit Schaden zugefügt wird. Für die negativen Folgen eines erzwungenen Umgangs wird wiederum die Mutter alleine verantwortlich gemacht und ihr wird unter anderem z.B. Erziehungsunfähigkeit vorgeworfen.
» Nicht selten werden Mütter im Familiengericht unter Androhung der Kindeswegnahme zu Zugeständnissen genötigt

E-Mail: MuetterInitiative@Outlook.de

oder

E-Mail: BayerischeMuetter@Outlook.de