„Zwangs“ Mediationen im Familiengericht – FamFG§ 36a

Wir hören immer wieder von Müttern, dass sie zu gemeinsamen Gesprächen mit den Kindsvätern genötigt werden. Oft durch „Androhung“ einer wenig attraktiven Alternative. Dabei spielt es unserer Erfahrung gemäß keine Rolle, ob es sich um Stalker, Gewalttäter oder sonstige narzisstischen Täter handelt.

Wir möchten darauf hinweisen, dass kein Opfer zu gemeinsamen Gesprächen mit dem Täter gezwungen werden kann, auch wenn dies möglicherweise suggeriert wird.

Speziell eine Mediation setzt Freiwilligkeit voraus – und natürlich Gewaltfreiheit. Dabei verweisen wir auf den wichtigen Paragraphen FamFG§ 36a:

Mediation, außergerichtliche Konfliktbeilegung
(1) Das Gericht kann einzelnen oder allen Beteiligten eine Mediation oder ein anderes Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung vorschlagen. In Gewaltschutzsachen sind die schutzwürdigen Belange der von Gewalt betroffenen Person zu wahren.
(2) Entscheiden sich die Beteiligten zur Durchführung einer Mediation oder eines anderen Verfahrens der außergerichtlichen Konfliktbeilegung, setzt das Gericht das Verfahren aus.
(3) Gerichtliche Anordnungs- und Genehmigungsvorbehalte bleiben von der Durchführung einer Mediation oder eines anderen Verfahrens der außergerichtlichen Konfliktbeilegung unberührt.

Dyre Tider Ravnen1896

von anonymus (Ravnen, side 396) [Public domain], via Wikimedia Commons

EILMELDUNG – Alle VIER Kuwalewsky-Kinder sind zuhause bei der Mama!

kindesentzug2013kuwalewsky

Eben telefonische Mitteilung an uns:

Die drei Kleinen haben heute nach dem Umgangstermin mit der Mama auf Burg Landeck den beiden Damen vom Jugendamt energisch den Gehorsam verweigert.

Sie hatten erfahren, dass sie morgen in ein Heim nach Nordhessen, Kassel, 4 Autostunden verlegt werden sollen und dass Mama und Bruder sie nicht einmal mehr hätten besuchen können.

Darauf weigerten sie sich, noch ins Auto einzusteigen.

Die Kinder scheinen sich jedenfalls lautstark gegen ihre neue Verschiebung nach Kassel, die für morgen angekündigt worden war, gewehrt zu haben.

Die Burg war wohl gut besucht heute, so dass zahlreiche Menschen aufmerksam wurden und fragten, was da los wäre. Die morgige Verlegung ihrer Kinder in ein Kinderheim in Kassel stünde an, konnte Mama Andrea erklären. Das wollten die Kinder nicht, sie wollten bei ihr zuhause bleiben, nicht von Bruder, Haus, Tieren und Mama weg.

Frau L.-N. Und Frau N.K. vom Jugendamt Bad Dürkheim, heutige…

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Muttersein als Privileg

gefunden hier:

http://www.zeitgeist-online.de/exklusivonline/fachartikel/16-fuer-das-vaterland-stirbt-man-im-mutterland-lebt-man.html


„Für das Vaterland stirbt man, im Mutterland lebt man

Eine ganz andere Sicht auf unsere Zivilisation

Von Dr. rer. nat. KIRSTEN ARMBRUSTER

Wohin steuert unsere von männlichem Denken und Handeln geprägte Gesellschaft? Gäbe es ganz andere erfolgsversprechende Wege, weit abseits der ausgetretenen, die uns aus der Krise führen könnten? Ja, meint Kirsten Armbruster, Autorin des Buches „Starke Mütter verändern die Welt“. Wir müssten uns lediglich rückbesinnen auf die Erfahrungen früher Matriarchate und diese auf die heutige Zeit übertragen. In ihrer Vision bildet die Mutter die sakrale Mitte der Gesellschaft, einer Gesellschaft, die dem Leben verpflichtet ist. Im Beitrag zeigt sie, dass jene, die „matriviviale Gesellschaft“, nichts mit dem trennenden Feminismus zu tun hat, sondern ein versöhnliches Prinzip in sich trägt.

In der Schule werden die Weichen für unsere Sicht auf die Gesellschaft gestellt, in der soziologischen Fachsprache heißt dies, dass Werte internalisiert werden. Was dort unterrichtet wird, gilt als wahr, als wissenschaftlich bewiesen und in seinem Wahrheitsgehalt hat es besonderes Gewicht, weil Schule durch Vater Staat autorisiert wird.

Nehmen wir einmal das Fach Geschichte. Die Geschichte, die dort gelehrt wird, ist die Herrschaftsgeschichte des weißen Mannes und eine Geschichte des Krieges. Eine Schlacht jagt die nächste und es wimmelt nur so von siegreichen Helden. Überhaupt fängt Geschichte erst so richtig in der Antike an, zu einem Zeitpunkt, wo monumentale Gebäude aus Stein entstehen, die männlichen Herrschern ein Denkmal setzen. Wir lernen, dass mit der Antike, die Zivilisation beginnt und Zivilisation wird gleichgesetzt mit: Der weiße Mann herrscht, Kriege gab es schon immer, und Menschsein ist an diese Paradigmen geknüpft. Diese Inhalte so zu lehren assoziiert: Wenn so, mit diesen Paradigmen, die Zivilisation beginnt, kann davor ja nur Barbarei geherrscht haben. Doch stimmt dies tatsächlich?

Zivilisation bedeutet im Allgemeinen: Der weiße Mann herrscht, Kriege gab es schon immer und Gott ist männlich

In der Schule wird auch das Fach Religion unterrichtet. Religion beginnt dort mit der Schöpfungsgeschichte. Die Welt wurde in sieben Tagen durch einen männlichen Gott geschaffen. Alternativ wird zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt der biologische Ansatz der Evolutionstheorie gelehrt, hier wird auf Gott verzichtet. Dafür haben wir es nach humanistischer Lesart mit einer reiferen, da wissenschaftlichen Sicht auf die Dinge zu tun. Ganz klar ist jedenfalls, wenn schon Gott, dann ist das Göttliche ursprünglich männlich und der männliche Monotheismus ist zivilisatorisch ein großer Fortschritt. Dies wird uns ebenfalls assoziiert. Nicht zufällig fallen Antike und die Entstehung des jüdischen Monotheismus, der auch heute noch die Basis aller drei monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam ist, in dieselbe Zeitdekade. Fassen wir zusammen: Zivilisation bedeutet: Der weiße Mann herrscht, Kriege gab es schon immer und Gott ist männlich.

Eine matriviviale Gesellschaftsstruktur würde dem Leben wieder Achtung schenken

Zu einem späteren Zeitpunkt wird uns im Unterricht noch Arbeitslehre oder Wirtschaft vermittelt. Nachdem die Menschen sich vom ersten Wirtschaftssektor, der sogenannten Urproduktion oder Subsistenzwirtschaft immer mehr abgekoppelt haben, können sie zunehmend nur überleben, wenn sie für Geld entweder in der Industrie oder im Dienstleistungsgewerbe tätig sind. Dies gilt als Fortschritt. Die Summe der volkswirtschaftlichen Leistungen wird im Bruttoinlandsprodukt (BIP) zusammengefasst, es ist die Summe der inländischen Wertschöpfung. Das BIP gibt angeblich den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines Jahres hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen. Somit erfasst es alle produktiven Tätigkeiten, aber auch zunehmend „dematerialisierte Spekulationen“. Reproduktionsarbeit als Dienstleistungsgut, d. h. das Aufziehen von Kindern, die Pflege Kranker und Älterer, Hausarbeit, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionsfähig ist, wird bewusst nicht in die Wertschöpfung eingerechnet, obwohl es eine Reihe Berechnungen gibt, die zeigen, dass diese Tätigkeiten – umgerechnet Geldwerte – einen nicht unerheblichen Teil des BIP ausmachen würden. Zahlen von 1992 belegen, dass privaten Haushalte in Deutschland durch Gratisarbeit eine Produktionsleistung von 500 Milliarden Euro erbringen und damit aus ökonomischer Sicht eine ähnliche Größenordnung erreichen wie die gesamte Warenproduktion der Landwirtschaft und des verarbeitenden Gewerbes zusammen. Sicherlich ist es kein Zufall, dass der größte Teil der Reproduktionsarbeit von Frauen verrichtet wird.

Die Veränderungsrate des realen BIP dient als Messgröße für das Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaften. Auch hier lernen wir: Eine prosperierende Zivilisation beruht auf unendlichem Wirtschaftswachstum. Wir leben zwar auf unserem Planeten in einem geschlossenen System mit endlichen Ressourcen, aber dennoch soll exponenzielles Wirtschaftswachstum möglich sein dank Wissenschaft, Technik und Politikern, die auch nicht müde werden, uns dieses Glaubensdogma einem Mantra gleich vorzubeten.

Herrschaftsmachtbesessene Männer haben unsere Welt an den Rand des Kollaps gebracht und herrschaftsmachtbesessene Frauen würden es nicht anders tun

Unsere Gesellschaft steht also ganz fest auf vier Füßen: Der weiße Mann herrscht, Kriege gab es schon immer, Gott ist männlich und die Möglichkeiten unseres produktiven Wirtschaftswachstums sind unendlich. Diese Gesellschaftsform nennt man Patriarchat, väterliche Herrschaft. Die Basis dieser Gesellschaftsform wird oben zusammengeführt zu einer Pyramide und ist gut für einige wenige, die sich oben an der Spitze befinden. Für die Mehrheit der Menschen jedoch ist diese Gesellschaftsform nicht gut, seien es nun Männer, Frauen oder Kinder, und auch nicht für die Wesen, mit denen wir uns die Erde teilen und damit auch nicht für die Erde selbst.

Nun gibt es viele gesellschaftskritische Bewegungen, die dieses pyramidale Paradigmenfundament infrage stellen. Der Feminismus ist eine von ihnen. Der herkömmliche Feminismus à la Alice Schwarzer hat einiges bewusst gemacht und verändert, er hat die Positionen von Frauen bis zu einem gewissen Grad innerhalb des Systems gestärkt, an der Basis des Systems hat er jedoch nicht gerüttelt. Der Differenzfeminismus hingegen stellt die Basis des Patriarchats grundlegend, d. h. von der Wurzel her infrage. Ihm genügt es nicht, dass Frauen dasselbe machen können wie Männer, denn herrschaftsmachtbesessene Männer haben unsere Welt an den Rand des Kollaps gebracht und herrschaftsmachtbesessene Frauen würden es nicht anders tun. Dem Differenzfeminismus, und dem daraus entwickelten matrivivialen Feminismus, liegt vielmehr das Gedankengebäude vieler Denkerinnen und Denker zugrunde, die aus dem Erfahrungsschatz von Müttern eine andere, an der Fürsorge ausgerichtete Gesellschaftsbasis formulieren. Macht ist dann nicht mehr Herrschaftsmacht, sondern definiert als Seinsmacht, als Macht Leben zu schenken und Leben zu bewahren. Muttersein wird vom herkömmlichen Feminismus als Reduktion interpretiert, tatsächlich ist es ein Privileg, nämlich das Privileg Leben bewusst zu gebären und dann gemeinsam mit fürsorglichen Männern aufzuziehen.

Das Geschichtsverständnis der matrivivialen Denkerinnen beruht auf der Tatsache eines ursprünglichen weltweit verbreiteten Matriarchats, deren Vorhandensein von den meisten Historikern völlig verdrängt, ja sogar negiert wird. Matriarchat nicht in Umkehrung des Patriarchats als Herrschaft der Mütter übersetzt, sondern in der Bedeutung „am Anfang die Mütter“. Da Menschen am Anfang beobachten konnten, dass nur Frauen neues Leben in Form der Geburt schöpfen konnten, waren die ersten Gesellschaften natürlicherweise um die Mütter zentriert. Und so wie aus den Menschenfrauen neues Leben entstand, so konnte bestehendes Leben nur in Abhängigkeit von der Erde gedeihen, die folglich ebenfalls mit den mütterlichen Attributen verbunden wurde. Alle Urreligionen sprechen von Mutter Erde und das ursprünglich Göttliche, das Lebensschöpferische war natürlich weiblich.

Archäologische, ethnologische und mythologische, einschließlich landschaftsmythologischer Forschungen haben ergeben, dass frühere ebenso wie heute noch bestehende Matriarchate nicht kriegs- und herrschaftsbasiert waren respektive sind. Heide Göttner-Abendroth, Marija Gimbutas, Barbara Walker, Edwin O. James, Gerda Weiler, Luisa Muraro, Kurt und Isabelle M. Derungs, Christa Mulack, Irene Fleiss und viele andere haben zu Matriarchaten und zum weltweiten Kult der Großen Göttin umfangreich publiziert. Das in der Schule eingeimpfte patriarchale Weltbild sitzt jedoch so tief, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Wird menschliche Geschichte dagegen vorurteilsfrei betrachtet, erkennt man als Paradigmen: Geschichte ist keine rein männliche Herrschaftsgeschichte, es gab und gibt bis heute an den Müttern orientierte, friedliche, egalitäre Konsensgesellschaften, das Göttliche war ursprünglich weiblich und Wirtschaft muss an Kreisläufe gebunden sein.

Muttersein wird vom herkömmlichen Feminismus als Reduktion interpretiert, tatsächlich ist es ein Privileg

Unsere Welt steckt in einer umfassenden weltweiten Krise: finanz- und wirtschaftspolitisch, ökologisch aber auch moralisch. Von friedensbasierten matriarchalen Kulturformen, von göttinnen- und damit erdbasierten Glaubensformen, von lebenserhaltenden kreisförmigen Wirtschaftsformen und von einer müttermachtbewussten Zeit könnten gerade jetzt gesellschaftserneuernde Impulse für eine echte Zivilisation ausgehen. Eine müttermachtbewusste Zeit macht nämlich, anders als wir in der Schule lernen, den größten Teil der Menschheitsgeschichte aus und da die Erde selbst nun mal eine Mutter ist und Leben damit auf dieser Erde nur auf mütterliche Weise funktioniert, wird die Menschheit, ob sie will oder nicht, sich dieser Werte erinnern müssen, denn nur im Mutterland lebt man, im Vaterland stirbt man.

LITERATUR:

Kirsten Armbruster: Starke Mütter verändern die Welt. Was schiefläuft und wie wir Gutes Leben für alle erreichen. Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 2007″

ZDF – Mona Lisa: Interview mit Familienrichter a.D. Elmar Bergmann

gefunden hier:

http://www.zdf.de/ml-mona-lisa/sorgerechtsentzug-wegen-mangelhafter-gutachten-vor-gericht-31120934.html

„Sorgerechtsentzug letztes Mittel der Wahl“

Interview mit Familienrichter a. D. Elmar Bergmann

Immer mehr Kinder werden aus ihren Familien in staatliche Obhut genommen, viele zu ihrem eigenen Schutz und oft auch zu Recht. Aber was, wenn etwa ein mangelhaftes Gutachten über die Zukunft einer Familie entscheidet? Wie gut können Familienrichter die Gutachten überhaupt beurteilen? Darüber sprach ML mit dem Rechtsanwalt und Familienrichter a. D. Elmar Bergmann.

ZDF: Herr Bergmann, Sie waren 30 Jahre lang Familienrichter, wie sieht es aus mit der Qualität der Gutachten?

Elmar Bergmann: Meiner Meinung nach werden in den vergangenen Jahren mehr schlechte Gutachten vorgelegt. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr junge Psychologen auf den Markt drängen, die nicht vernünftig als Psychologen ausgebildet sind. Sie haben keine Approbation und weisen keine langjährige Tätigkeit in der Psychotherapie auf und es fehlt an Fortbildung in der Rechtspsychologie. Der Bund Deutscher Psychologen verlangt, dass die Leute sich fortbilden und er bietet auch Kurse an, die relativ teuer sind. In diesem Job muss man das aufwenden, aber es wird von vielen nicht wahrgenommen. Das ist ein großes Problem.

ZDF: Haben die Sorgerechtsentzugsfälle zugenommen?

Bergmann: Ende 2012 oder Anfang 2013 hat sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen damit gebrüstet, dass wieder mehr Kinder in Obhut genommen wurden. Das ist eine Bankrotterklärung des Staates, denn das Gesetz sieht vor, dass vornehmlich Hilfen in die Familien reingegeben werden, wenn Probleme da sind. Und die Fälle häufen sich, das hat verschiedene Gründe, unter anderem auch Selbstschutz der Jugendamtsmitarbeiterinnen und –arbeiter, denn wenn was passiert, dann müssen sie sich dafür verantworten.

ZDF: Wo bleiben in dieser Gemengelage die Rechte der Eltern?

Bergmann: Die Rechte der Eltern gehen häufig den Bach runter. Das ist leider eine Tatsache, weil auch die Jugendämter doch in einer beträchtlichen Anzahl von Fällen nicht auf das Wohl der Kinder und auf die Rechte der Eltern achten, sondern sich damit begnügen, Gefahren oder vermeintliche Gefahren abzuwenden und zwar einfach dadurch, dass man die Kinder wegnimmt. Das ist aber für jedes Kind und für jede Familie der absolute Super-GAU. Die Gefährdungssituation wird häufig nicht sauber herausgearbeitet und es wird nicht überlegt, ob es andere Möglichkeiten gibt, die Gefährdung abzuwenden, denn die Herausnahme des Kindes aus Familien ist immer das allerletzte Mittel der Wahl und daran halten sich viele Jugendämter nicht. Hinzu kommt noch etwas: Der Arbeitskräftemangel im Bereich der Jugendfürsorge ist unglaublich hoch. Der Arbeitsdruck der einzelnen Sozialarbeiter ist unheimlich hoch. Und da sagt man lieber, wenn ich die Kinder in einem Heim oder in einer Pflegefamilie, dann habe ich damit nichts mehr zu tun. Dann schreibe ich noch einen Bericht ans Gericht und dann ist die Sache für mich erledigt.

ZDF: Können Richter mangelhafte Gutachten erkennen oder die Mängel identifizieren?

Bergmann: Es gibt keine geordnete Aus- und Fortbildung für Familienrichter mit Ausnahme von Bayern. Bayern bildet die Familienrichter aus, wenn auch nur kurz, aber immerhin. Aber sonst wird Familienrecht nur unwesentlich im Studium gelehrt. In der Referendarzeit kommt es nicht vor und dann kommt man als Richter zum Landgericht und zum Amtsgericht und ist auf einmal dann Familienrichter und hat das vierte Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches noch nie bewusst wahrgenommen. Familienrichter müssen sich selbst fortbilden, ihr eigenes Geld, Kraft und Freizeit da hineinstecken. Es gibt ja viele ganz hervorragende Familienrichter, aber natürlich auch viele, die gar nichts machen und alles nur aus dem hohlen Bauch machen. Wenn dann schwierige Fälle kommen, sagt man, das soll der Gutachter machen und dem schließ ich mich dann an.

ZDF: Und was hat das für Auswirkungen?

Bergmann: Das hat die Auswirkung, dass die Entscheidung über Sorgerechtsentzug oder Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil dem Gutachter überlassen wird. Der Richter weiß nicht, was er machen will, dann gibt er es einem Gutachter und dessen Gutachten schreibt er ab. Punkt. Sie können die Mängel nur dann einschätzen, wenn sie sich vorher mit dem Thema einmal beschäftigt haben. Aber die meisten beschäftigen sich nicht damit.

ZDF: Wie steht es vor Gericht in Bezug auf Privatgutachten?

Bergmann: Das Privatgutachten muss man in das Verfahren einbringen. Der Bundesgerichtshof hat gesagt, das muss genauso behandelt wie das vom Gericht eingeholte Gutachten. Nach meiner Erfahrung ist es so, dass die Gerichte sich nicht an diese Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs halten. Aber wenn man als Anwalt da sehr deutlich den Standpunkt vertritt, kriegt man die Privatgutachten durch und man kann durchaus erreichen, dass die vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachten dahin kommen, wo sie hingehören, nämlich in den Papierkorb.

ZDF: Können Sie Tendenzen in den familienrechtlichen Entscheidungen erkennen?

Bergmann: In den vergangenen Jahren geht die Tendenz dazu, dass die lösungsorientierte Begutachtung, obwohl sie jetzt im Gesetz drin ist, immer mehr zurückgedrängt wird. Einzelne Richter machen das sehr erfolgreich, aber auch Gutachter scheitern oft, wenn sie den lösungsorientierten Ansatz verfolgen wollen, scheitern oft, weil sie die Methode nicht beherrschen. Es wird nicht mehr vermittelt, nicht die Erziehungskompetenz der Eltern gestärkt, sondern es wird entschieden, in Entzugsfällen also ist der eine geeignet, der andere ist nicht geeignet. Und wenn du nicht geeignet bist, dann bist du deine Kinder los. Oder noch schlimmer, man sagt dann auch gleich: Du kriegst deine Kinder nicht mehr zu Gesicht. Oder es wird von den Jugendämtern gerne auch noch das gemacht, was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte schon seit Jahren verboten hat: zu Eingewöhnungszwecken wird erst einmal ein halbes Jahr der Kontakt zwischen Eltern und Kindern unterbunden. Glatt rechtswidrig, glatt verfassungswidrig, auch das Oberlandesgericht Hamm hat das 2002 schon festgestellt, dass das so nicht geht. Das interessiert aber niemanden. Das wird einfach so gemacht. Das Kindeswohl bleibt in diesen Fällen auf der Strecke.

Zur Person
Elmar Bergmann war bis 2009 Familien- und Vormundschaftsrichter und ist seit September 2009 als Rechtsanwalt zugelassen. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt bei Familiensachen, Unterbringung in psychiatrischen Krankenanstalten und Betreuungen. Er setzt sich dafür ein, dass Eltern und Kinder von Gerichten und Jugendämtern die Hilfen erhalten, die sie brauchen damit sie weiterhin ein gemeinsames Leben führen können.

Sadness

By Sasha Wolff from Grand Rapids (Sadness 90/365) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Münchner Merkur: Wenn Papa die Mama schlägt

Gefunden hier:

http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/wenn-partner-zuschlaegt-3758478.html

„….Als es nicht mehr geht, beantragt das Paar beim Familiengericht eine Umgangsregelung. Alle 14 Tage soll Sara ein Wochenende lang bei ihrem Vater übernachten, verfügt das Gericht. „Ihr Vater hat sie oft enttäuscht, die Termine oft abgesagt“, sagt Reichel. Immer wieder gibt es neue Regelungen des Gerichts. Dass es ständig zwischen ihren Eltern kracht, bekommt Sara hautnah mit. Das Mädchen steht zwischen den Fronten. Im August 2012 lässt sich das Paar scheiden. Im Januar 2013 steht Sina Reichels Ex-Mann kurzfristig ohne Wohnung da. Reichel lässt ihn noch einmal in ihrer Wohnung übernachten. Ihr Ex-Mann bekommt mit, wie Reichel mit einer männlichen Bekanntschaft telefoniert. Da rastet er komplett aus, reißt vor den Augen seiner Tochter das Telefonkabel aus der Wand. „Leb wohl, such dir einen anderen Papa“, brüllt er.

Im September 2013 kommt ihr Ex-Mann vorbei, um die Tochter abzuholen. Es beginnt ein Streit, ihr Ex schubst Sina Reichel in den Hauseingang. Sie fällt und verletzt sich am Arm. Sara weint, sie will nicht mit ihrem Vater mitgehen. Als er sie mit Gewalt mitzerren will, greift ein Nachbar ein. Sina Reichel fährt mit ihrer Tochter zur Polizei und erstattet Anzeige. Eine Richterin erlässt ein Kontaktverbot. Es gilt nur für acht Wochen.

Sina Reichel arbeitet wieder Vollzeit. Manchmal würde sie gerne mit Sara Reißaus nehmen und wegziehen. Doch das geht nicht: Sie hat trotz allem nicht das alleinige Sorgerecht. Saras Vater darf seine Tochter weiter regelmäßig sehen. Ein vom Gericht bestellter Umgangspfleger wacht darüber. Auch an Tagen, an denen Sara ihren Vater nicht sehen möchte. „Sie müssen ihrem Kind gut zureden, dass es zum Papa mitgeht“, hat der Umgangspfleger der Mutter gesagt. Weigern sich Mütter, kann das laut Bauer negative Folgen für sie haben: „Ein Umgangspfleger hat viel Einfluss. An seinen Berichten orientiert sich das Gericht.“ Es sei absurd: „Dann ist plötzlich die Mutter schuld.“

Sina Reichel will nach vorne schauen. Beratungsstellen wie die Frauenhilfe oder Imma unterstützen sie und ihr Kind. „Aber manchmal“, sagt sie, „zieht es dir den Boden unter den Füßen weg.“

Neues von Gunnar Schupelius zur unsäglichen Idee des Wechselmodells

Das Wechselmodell nimmt aus unserer Sicht Kindern jegliche Chance sich an einen Bezugspunkt zu erden.

Gefunden hier:

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/richter-zwingen-kinder-zum-pendeln

„Wechselmodell

Richter zwingen Kinder zum Pendeln

Eine Woche zur Mutter, eine zum Vater. Den Nachteil haben die Kinder, meint Gunnar Schupelius

Immer noch stürmen wütende Väter mein E-Mail-Fach. Sie fühlen sich durch meine Meinung persönlich angegriffen. Ich meine, dass das kleine Kind ganz einfach zur Mutter gehört, wenn überhaupt keine Einigung zwischen den Eltern mehr möglich ist.

Ich setze dabei voraus, dass das Kind zuvor bei der Mutter gelebt hat. Ich spreche von gescheiterten kurzfristigen Beziehungen, aus denen ein Kind entstand, und nicht von lange gebundenen Paaren, die sich trennen. Für meine Meinung werde ich als „Reaktionär“ beschimpft, erboste Väter fordern, ich sollte nicht mehr schreiben dürfen.

Diejenigen, die nicht nur schimpfen, sondern zivilisiert argumentieren, plädieren für das „Wechselmodell“: Das Kind lebt eine Woche bei der Mutter, die andere beim Vater. „Dieses Recht sollte jedes Kind und jeder Elternteil haben“, meint zum Beispiel B.Z.-Leser Günter Vida.

Auch die Familienrechtlerin Hildegund Sünderhauf plädierte kürzlich in einem „Zeit“-Interview für dieses Wechseln, wodurch Kinder „eine gleich starke Bindung zu beiden Elternteilen entwickeln“ könnten. Da hat Frau Sünderhauf sicherlich recht. Doch können Kinder diese gleich starke Bindung nur entwickeln, wenn sich die getrennten Eltern noch vertragen.

Sonst nämlich, so hat es die Scheidungsforscherin Sabine Walper ganz treffend im Magazin „Focus“ formuliert, wird daraus ein „Kampfmodell“: Erzürnte Väter erobern sich Zeit mit dem Kind als Demonstration ihrer Macht. Da sich nun die meisten getrennten Eltern streiten, wird aus dem Wechselmodell zwangsläufig überwiegend ein Kampfmodell.

Wie das konkret aussieht, erfuhr ich von Ilona aus Spandau (Name geändert). Sie darf ihre vierjährige Tochter nur jede zweite Woche sehen. Die übrige Zeit lebt das Kind beim Vater und dessen neuer Freundin.

Das war nicht immer so. Ilona trennte sich gleich nach der Geburt, das Kind blieb bei ihr, der Vater behielt Kontakt. Als vor einem Jahr das Gesetz geändert wurde, setzte der Vater das geteilte Sorgerecht gegen Ilona durch. Das Gericht verfügte daraufhin das Wechselmodell.

Die Folgen sind verheerend. Das Kind wurde misstrauisch und unruhig. Es braucht mehrere Tage, um nach der Abwesenheit bei der Mutter wieder Fuß zu fassen, bei der es zuvor ganz selbstverständlich gelebt hatte.

Das Problem ist eigentlich bekannt: Der Deutsche Familiengerichtstag, also ein bedeutendes Gremium der Juristen, forderte im Februar, das Wechselmodell nicht mehr ohne Konsens der Eltern zuzulassen. Es sei nicht erforscht, bemängeln die Juristen, wie Kinder leiden, wenn sie zwischen verfeindeten Eltern wechseln müssen.

Und dennoch werden die Kinder von den Richtern permanent zu diesem Wechseln verdonnert – und verlieren dadurch Sicherheit und Geborgenheit, also ziemlich alles, was in den ersten Lebensjahren zählt. „

A Child's Cry for Peace

von D. Sharon Pruitt from Hill Air Force Base, Utah, USA (Free A Child’s Cry for Peace Creative Commons) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons