Münchner Merkur: Wenn Papa die Mama schlägt

Gefunden hier:

http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/wenn-partner-zuschlaegt-3758478.html

„….Als es nicht mehr geht, beantragt das Paar beim Familiengericht eine Umgangsregelung. Alle 14 Tage soll Sara ein Wochenende lang bei ihrem Vater übernachten, verfügt das Gericht. „Ihr Vater hat sie oft enttäuscht, die Termine oft abgesagt“, sagt Reichel. Immer wieder gibt es neue Regelungen des Gerichts. Dass es ständig zwischen ihren Eltern kracht, bekommt Sara hautnah mit. Das Mädchen steht zwischen den Fronten. Im August 2012 lässt sich das Paar scheiden. Im Januar 2013 steht Sina Reichels Ex-Mann kurzfristig ohne Wohnung da. Reichel lässt ihn noch einmal in ihrer Wohnung übernachten. Ihr Ex-Mann bekommt mit, wie Reichel mit einer männlichen Bekanntschaft telefoniert. Da rastet er komplett aus, reißt vor den Augen seiner Tochter das Telefonkabel aus der Wand. „Leb wohl, such dir einen anderen Papa“, brüllt er.

Im September 2013 kommt ihr Ex-Mann vorbei, um die Tochter abzuholen. Es beginnt ein Streit, ihr Ex schubst Sina Reichel in den Hauseingang. Sie fällt und verletzt sich am Arm. Sara weint, sie will nicht mit ihrem Vater mitgehen. Als er sie mit Gewalt mitzerren will, greift ein Nachbar ein. Sina Reichel fährt mit ihrer Tochter zur Polizei und erstattet Anzeige. Eine Richterin erlässt ein Kontaktverbot. Es gilt nur für acht Wochen.

Sina Reichel arbeitet wieder Vollzeit. Manchmal würde sie gerne mit Sara Reißaus nehmen und wegziehen. Doch das geht nicht: Sie hat trotz allem nicht das alleinige Sorgerecht. Saras Vater darf seine Tochter weiter regelmäßig sehen. Ein vom Gericht bestellter Umgangspfleger wacht darüber. Auch an Tagen, an denen Sara ihren Vater nicht sehen möchte. „Sie müssen ihrem Kind gut zureden, dass es zum Papa mitgeht“, hat der Umgangspfleger der Mutter gesagt. Weigern sich Mütter, kann das laut Bauer negative Folgen für sie haben: „Ein Umgangspfleger hat viel Einfluss. An seinen Berichten orientiert sich das Gericht.“ Es sei absurd: „Dann ist plötzlich die Mutter schuld.“

Sina Reichel will nach vorne schauen. Beratungsstellen wie die Frauenhilfe oder Imma unterstützen sie und ihr Kind. „Aber manchmal“, sagt sie, „zieht es dir den Boden unter den Füßen weg.“

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Ein Gedanke zu “Münchner Merkur: Wenn Papa die Mama schlägt

  1. Veröffentlichter Leserbrief dazu:

    „Leserbrief zu „Wenn der Partner zuschlägt“ vom 6. August 2014 in München kompakt.

    Hier möchte ich besonders auf die Problematik des Zwangsumganges eingehen. Dieser geht so weit, dass ein Vater, der nie in häuslicher Gemeinschaft mit dem Kind gelebt hat, Anspruch auf Umgang sogar mit Säuglingen und Kleinkindern hat. Die Mutter muss das schreiende Kind seinem Erzeuger ausliefern, mit entsprechenden Folgen für das Kleine in dieser entwicklungspsychologisch sensiblen Lebensphase.
    Die Mütter deren Kinder sich, wie im Artikel geschildert, sträuben zu ihrem Vater zu gehen, werden von den Familiengerichten gezwungen, das Kind dazu zu überreden. Der Entzug des Sorgerechtes für die Mutter schwebt wie ein Damoklesschwert über ihr, sollte es ihr nicht gelingen. Andererseits fühlen sich Kinder von ihren Müttern verraten und verkauft, da sie sich nicht als Beschützerin gegen den Vater erweist. Wem sollen sie noch vertrauen?
    Leider hört die Frauen-Emanzipation schlagartig auf, sobald eine Frau Mutter wird. Sie darf nicht mit dem Kind umziehen, wenn es dem Erzeuger des Kindes nicht gefällt. In strittigen Sorgerechtsfällen mit Gewalt gegen die Mutter, werden die Frauen genötigt doch die Anzeige gegen den Vater zurück zu ziehen. Frauen, die schon während der Schwangerschaft erkennen, dass vom Vater des Kindes nichts Gutes zu erwarten ist und beim Standesamt vorsichtshalber keine Angaben zur Identität des Erzeugers machen, können vom Vater auf Feststellung ihrer Vaterschaft verklagt werden usw.
    Resumée: die einzige Entscheidungsfreiheit der Frau liegt bei einer möglichen Abtreibung!“

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