Neues von Gunnar Schupelius zur unsäglichen Idee des Wechselmodells

Das Wechselmodell nimmt aus unserer Sicht Kindern jegliche Chance sich an einen Bezugspunkt zu erden.

Gefunden hier:

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/richter-zwingen-kinder-zum-pendeln

„Wechselmodell

Richter zwingen Kinder zum Pendeln

Eine Woche zur Mutter, eine zum Vater. Den Nachteil haben die Kinder, meint Gunnar Schupelius

Immer noch stürmen wütende Väter mein E-Mail-Fach. Sie fühlen sich durch meine Meinung persönlich angegriffen. Ich meine, dass das kleine Kind ganz einfach zur Mutter gehört, wenn überhaupt keine Einigung zwischen den Eltern mehr möglich ist.

Ich setze dabei voraus, dass das Kind zuvor bei der Mutter gelebt hat. Ich spreche von gescheiterten kurzfristigen Beziehungen, aus denen ein Kind entstand, und nicht von lange gebundenen Paaren, die sich trennen. Für meine Meinung werde ich als „Reaktionär“ beschimpft, erboste Väter fordern, ich sollte nicht mehr schreiben dürfen.

Diejenigen, die nicht nur schimpfen, sondern zivilisiert argumentieren, plädieren für das „Wechselmodell“: Das Kind lebt eine Woche bei der Mutter, die andere beim Vater. „Dieses Recht sollte jedes Kind und jeder Elternteil haben“, meint zum Beispiel B.Z.-Leser Günter Vida.

Auch die Familienrechtlerin Hildegund Sünderhauf plädierte kürzlich in einem „Zeit“-Interview für dieses Wechseln, wodurch Kinder „eine gleich starke Bindung zu beiden Elternteilen entwickeln“ könnten. Da hat Frau Sünderhauf sicherlich recht. Doch können Kinder diese gleich starke Bindung nur entwickeln, wenn sich die getrennten Eltern noch vertragen.

Sonst nämlich, so hat es die Scheidungsforscherin Sabine Walper ganz treffend im Magazin „Focus“ formuliert, wird daraus ein „Kampfmodell“: Erzürnte Väter erobern sich Zeit mit dem Kind als Demonstration ihrer Macht. Da sich nun die meisten getrennten Eltern streiten, wird aus dem Wechselmodell zwangsläufig überwiegend ein Kampfmodell.

Wie das konkret aussieht, erfuhr ich von Ilona aus Spandau (Name geändert). Sie darf ihre vierjährige Tochter nur jede zweite Woche sehen. Die übrige Zeit lebt das Kind beim Vater und dessen neuer Freundin.

Das war nicht immer so. Ilona trennte sich gleich nach der Geburt, das Kind blieb bei ihr, der Vater behielt Kontakt. Als vor einem Jahr das Gesetz geändert wurde, setzte der Vater das geteilte Sorgerecht gegen Ilona durch. Das Gericht verfügte daraufhin das Wechselmodell.

Die Folgen sind verheerend. Das Kind wurde misstrauisch und unruhig. Es braucht mehrere Tage, um nach der Abwesenheit bei der Mutter wieder Fuß zu fassen, bei der es zuvor ganz selbstverständlich gelebt hatte.

Das Problem ist eigentlich bekannt: Der Deutsche Familiengerichtstag, also ein bedeutendes Gremium der Juristen, forderte im Februar, das Wechselmodell nicht mehr ohne Konsens der Eltern zuzulassen. Es sei nicht erforscht, bemängeln die Juristen, wie Kinder leiden, wenn sie zwischen verfeindeten Eltern wechseln müssen.

Und dennoch werden die Kinder von den Richtern permanent zu diesem Wechseln verdonnert – und verlieren dadurch Sicherheit und Geborgenheit, also ziemlich alles, was in den ersten Lebensjahren zählt. „

A Child's Cry for Peace

von D. Sharon Pruitt from Hill Air Force Base, Utah, USA (Free A Child’s Cry for Peace Creative Commons) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

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