Barbara Schwarz: Die Verfestigung der biologischen Abstammung als familienrechtliches Ordnungsprinzip

gefunden hier:

http://www.streit-fem.de/ausgabe_2012_02.html

„Die gemeinsame elterliche Sorge ist zum normativen „Normalfall“ geworden und zwar soweit, dass auch massive Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte der betreuenden Eltern, in der Regel der Frauen, hingenommen werden. Frauen können in ihrer Freizügigkeit eingeschränkt werden, um Männern uneingeschränkten Umgang mit den Kindern zu gewährleisten. Derartige Einschränkungen berühren nicht nur den privaten, sondern häufig auch den beruflichen Bereich der Frauen. Sie haben sich, unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen und Entscheidungsoptionen bis die Kinder 18 Jahre alt geworden sind, auf die Väter, also die Männer, und deren Rechte „am Kind“ einzustellen. In der Konsequenz unterliegen sie, um des ungehinderten väterlichen, männlichen Zugriffs Willen, einem faktischen Trennungsverbot (Sibylla Flügge, 2008). Männer unterliegen diesen Begrenzungen nicht. Sie können gegebenenfalls, wenn sie mit mehreren Frauen Kin- der haben, ihre Präsenz in mehreren Familien behaupten, ohne ihren eigenen Lebensstileinschränken zu müssen. Die Pflichtbindung im Rahmen von Umgang und elterlicher Sorge gilt lebenspraktisch somit nur für den betreuenden Elternteil, für die Frau.“

“ Die Wahlfreiheit von Lebensmöglichkeiten, die gerade für Frauen vorübergehend in den 70er bis 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts in der Wahl selbst bestimmter Lebensmöglichkeiten gemeinsam mit ihren Kindern einen Ausdruck fand, wird durch die Generalisierung formalisierter gemeinsamer elterlicher Sorge in Verbindung mit der Ausgestaltung individualisierter väterlicher Rechte mit Verpflichtungscharakter gegenüber Müttern und Kindern und der Tendenz eine biologische Abstammungslinie mit entsprechenden Verantwortungszuweisungen durchzusetzen, aufgehoben.“

“ „Die Rechte der Kinder, die so oft herbeigeredet werden, sind hier wohl von Gesetzgeber und Rechtsprechung eher verstanden worden als Recht am Kind, an „seinem“ Kind“, wie Bühler-Niederberger ausführt. „Die Regelungen werden entworfen für ein Kind ohne eigene Individualität, ohne persönliche Bedürfnisse und Lebensumstände. Dieses Kind hat ein „natürliches Bedürfnis“ nach seinen beiden leiblichen Eltern, so dass das gemeinsame Sorgerecht die „natürliche“ Lösung ist“ (Bühler 2011).
Wie sich mit der zur Zeit geplanten Reform das neue Leitbild weiterdurchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich ist, dass neue sozialstaatliche Instrumente geschaffen werden, gerade um Frauen und Kinder zum Anpassungsverhalten zu zwingen. Wahrscheinlich ist auch, dass zunehmend familiengerichtliche Anträge auf die Übertragung der Entscheidung hinsichtlich einzelner Entscheidungsfragen gestellt werden. Das Konfliktpotential zwischen den Eltern und zwischen Eltern und Kindern wird sich jeden- falls durch neue Verpflichtungen zur Kooperation nicht verringern. Männer erhalten als Väter auch ohne Ehe hinsichtlich der Kinder eine Machtposition zurück, die ihnen zentrale familienrechtliche Entscheidungsbefugnisse sichert, ohne dass sie zur Übernahme tatsächlicher Verantwortung verpflichtet werden. Diese Entwicklungen tragen nicht nur nicht zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern bei, sie sind vielmehr ein Rückschritt auf dem Weg zur Emanzipation von Frauen aus patriarchalen Abhängigkeiten“

ClaudiaMayr1

Claudia Mayr: Frauen aus Bronze und Stein – München

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