Birgit Kelle: Welpenschutz für Kinder bitte

gefunden hier: http://www.atkearney361grad.de/kolumne/welpenschutz-fuer-kinder-bitte/

Jedes Tier ist geschützt bis ins Detaillierteste…. was ist mit  unseren Menschenkindern ?

Die Bindung von Mutter und Kind aufzuweichen ist etwas komplett unnatürliches, von der Väterbewegung getriggert, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Wer will denn Wechselmodell ??? Bestimmt nicht unsere Kinder.

Für Birgit Kelle ist klar: Kinder müssen besser geschützt werden. Dabei sieht sie vor allem in einem Bereich Nachholbedarf, der in den westlichen Gesellschaften mittlerweile als Selbstverständlichkeit gilt. So seien Kindertagesstätten nicht nur förderlich für Kinder, sondern bergen auch unzählige Gefahren für die Entwicklung der Kleinsten. Kinder bräuchten endlich eine Lobby.

Im Juni 2012 meldeten sich in Deutschland Tierschützer zu Wort. Sie machten sich Sorgen um das Eisbär-Mädchen Anori, eine Halbschwester des berühmten Berliner Bären Knut. Fünf Monate lang wurde Anori liebevoll im Wuppertaler Zoo von ihrer Mutter Vilma aufgezogen. Nun herrschte jedoch helle Aufregung und Sorge unter den Tierfreunden, weil die Zooleitung eine baldige Trennung von Mutter und Kind angekündigt hatte. Mutter Vilma sollte wieder der Zucht zur Verfügung stehen, dabei störte ihr Kind. Klein-Anori sollte also schon mit 12 bis 14 Monaten von der Mutter getrennt werden, damit der Produktionsprozess weiterer Eisbärkinder ungestört voran schreiten könne. In freier Wildbahn bleiben die Jungtiere zwei bis drei Jahre beim Muttertier. Werden sie zu früh von ihrer Mutter getrennt, sind Verhaltensanomalien zu beobachten, wie automatisiertes Hin- und Herlaufen oder Kopfwackeln.

Der deutsche Tierschutzbund macht sich aktuell ebenfalls Sorgen, wenn Haustiere erst nach 18 Uhr gestreichelt werden können, weil ihre Besitzer berufstätig sind. Wenn Hunde am Arbeitsplatz nicht erlaubt seien, sollte man sich besser für ein anderes Haustier entscheiden. Denn der treue Vierbeiner brauche intensiven Kontakt zu seiner Bezugsperson. Eine Hunde-Kita oder einen Gassidienst hält Marius Tünte von Tierschutzbund für keine geeignete Lösung.

Weiter rät der Tierschutzbund, ob Dienstreise oder Überstunden – wer ein Tier halte, brauche ein Netzwerk aus tierlieben Menschen, die im Notfall einspringen. Berufstätige, die ständig Überstunden schieben und viel unterwegs sind, sollten sich grundsätzlich fragen, ob überhaupt Zeit für ein Tier bleibt. Wer feststellt, dass das gewünschte Tier nicht zum eigenen Lebensstil passt, der fände vielleicht ein Haustier in Teilzeit, als Patenschaft vom Tierheim.

Fällt Ihnen etwas auf? Es gibt in Deutschland keine Instanz, die sich darum kümmert, dass Menschenkinder nicht zu früh von ihren Eltern oder gar von der Mutter getrennt werden. Während jedes Hundebaby in Deutschland sicher sein kann, seinen gesetzlichen Welpenschutz zu genießen, haben wir gesetzlich mit dem Mutterschutz nur die Schonfrist der Gebärenden geregelt, aber keine für die Kinder geschaffen. Sie dürfen also theoretisch gleich nach der Geburt das Kind von der Mutter trennen, es wäre absolut gesetzeskonform. Immerhin, als die französische Ministerin Rachida Dati bereits fünf Tage nach der Entbindung wieder im Büro erschien, diskutierte selbst das Betreuungsland Frankreich kurz mal über die Frage, ob das so ganz richtig sei. Gesetzlich ist das aber nirgendwo auf der Welt ein Problem.

Während wir also bei Zootieren Verhaltensauffälligkeiten ernst nehmen, die sich durch Trennung vom Muttertier ergeben, wird dies bei Menschenkindern negiert oder ideologisch aufgeheizt diskutiert. Werden Ärzte nicht gehört, obwohl Krankenkassen bereits seit Jahren einen dramatischen Anstieg von psychischen Erkrankungen und Depressionen schon bei Kleinstkindern vermelden. Ein Welpenschutz für Menschenkinder existiert nicht.

Lärmschutzreglungen gelten nicht für Kinder

Bereits im Jahr 2008 beschwerte sich die Gewerkschaft Ver.di über den hohen Lärmpegel in vielen Kindergärten. Die sei „gesundheitlicher Belastungsfaktor Nummer eins“ für die Erzieherinnen, erklärte damals Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Messungen hätten eine Lautstärke von bis zu 117 Dezibel ergeben. Das entspreche einem startenden Düsenflugzeug in 100 Metern Entfernung.Und die empfindlichen Kinderohren? Sind die nicht dem gleichen Lärm ausgesetzt? Ver.di ist für die Kinder nicht zuständig, diese haben leider keine eigene Gewerkschaft.

Im Frühjahr 2012 meldete sich auch die Landesvereinigung für Gesundheit (LVG) Sachsen-Anhalt zu Wort und beklagte, in Kitas herrschten Geräuschpegel, die lautem Verkehrslärm und Kreissägen entsprechen. Nicht nur Betreuer und Erzieher litten unter Lärm und damit verbundenen Krankheiten wie Migräne und Burn-Out, auch die Kinder seien direkt betroffen. Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit, des Sprachverstehens und -verarbeitens seien die Folge, denn Kinder seien noch weit weniger als Erwachsene in der Lage, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und irrelevante Hörreize auszublenden. Hat es irgendwelche Konsequenzen gegeben für die Betreuung in Krippen und Kindergärten? Nein.

Da kämpfen Gewerkschaften für die 35-Stunden-Woche für Arbeitnehmer, schließlich braucht der Erwachsene ja auch einen Ausgleich, Babys und Kleinkinder haben aber längst eine 38-Stunden-Woche in Krippe und Kita. Manche Bundesländer wie das Saarland schaffen sogar Durchschnitts-Betreuungswerte von 45 Stunden in der Woche. Würde es sich um Haustiere und nicht die Hauskinder handeln, wäre der Tierschutz schon längst auf den Barrikaden. Wären es Erwachsene, die Gewerkschaften hätten längst Alarm geschlagen. Aber es sind ja bloß Kinder.

Der versammelte Kinderschutz in Deutschland meldet sich immer nur dann zu Wort, wenn es darum geht, Kinder vor dem gefährlichsten zu schützen, dem sie angeblich ausgesetzt sind: Den eigenen Eltern. Galten früher noch falsche Freunde als schlechter Umgang für die Kinder, kann man bei heutiger Zeitungslektüre leicht den Eindruck gewinnen, den schlimmsten Umgang, den Kinder heutzutage haben können, seien die Eltern, die sie gezeugt haben. Wahlweise würden Kinder entweder durch Vernachlässigung unterfordert oder durch Überbehütung überfordert. Derart einhellig ist der Mediensturm über die Eltern eingebrochen, dass Verschwörungstheoretiker ihre echte Freude daran haben könnten. Nicht nur die Politik, auch die Lehrer und selbst Kinderschutzorganisationen warnen inzwischen vor Eltern, die das natürlichste der Welt machen wollen: Sich um ihre Kinder kümmern. Etwas, das sich seit Jahrtausenden weltweit bewährt hat. Als in Deutschland über das Betreuungsgeld diskutiert wurde, beklagten selbst UNICEF und der Kinderschutzbund dies als „schweren Fehler“, der Kinderschutzbund erwog sogar eine Verfassungsklage dagegen. In regelmäßigen Abständen diskutiert die Politik die Frage nach „Kinderrechten“ in der Verfassung. Niemals ist dort aber die Rede davon, dass Kinder das Recht haben sollten, auf Umgang mit ihren eigenen Eltern. Oder das Recht auf Zeit und Liebe durch ihre Eltern.

Wären sie Haustiere, dann wäre es natürlich einfacher, dann gäbe es ein Recht auf Mama. Oder wären sie nicht kleine, sondern große Erwachsene, dann wären die Gewerkschaften zur Stelle um für ihre Gesundheit und ihr Privatleben zu kämpfen. Aber es sind ja nur Kinder.“

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