Gunnar Schupelius: Wie überfordert sind die Jugendämter

gefunden hier:

http://www.bz-berlin.de/berlin/wie-ueberfordert-sind-die-jugendaemter

„In keinem anderen Fall bekomme ich so heftige Reaktionen zu spüren, wie beim Thema Sorgerecht. Vor allem dann, wenn ich mich auf die Seite der Mütter schlage.

Seit anderthalb Jahren gilt ein Gesetz, nachdem Männer das Sorgerecht für ihre leiblichen Kinder zu einem beliebigen Zeitpunkt erzwingen können. Und zwar auch dann, wenn sie mit der Mutter dieser Kinder weder verheiratet waren noch mit ihr zusammenlebten, und sogar dann, wenn sie die Kinder nie zuvor gesehen haben.

Seitdem dieses Gesetz in Kraft ist, kommt es zu furchtbaren Szenen in den Jugendämtern und vor Gerichten. Kinderseelen werden zerstört. Das ist nicht übertrieben.

Da ich den Standpunkt der Mütter einnahm, bekam ich die Wut der Väter ab. Es hagelte Beschimpfungen und Unterstellungen. Ich hätte wohl selbst keine Kinder (doch, habe ich!). Ich würde die Bedeutung der Vaterrolle nicht erkennen (doch, tue ich!). Ich hätte wohl selbst einen schlechten Vater gehabt (nein, ich hatte einen guten!). Ich sei dem Feminismus aufgesessen (das nun wirklich nicht!).

Ich möchte den Streit nicht fortführen, dafür aber den Blick auf die Jugendämter und die Gutachter lenken. Hier liegt wohl einiges im Argen, so viel kann ich sagen, nachdem ich mich wochenlang mit vielen Fällen beschäftigt habe.

Das Drama beginnt, wenn die Mutter oder der Vater das Jugendamt anruft, das dann per Gutachten klärt, wo das Kind am besten aufgehoben wäre. Eltern beklagen immer wieder, dass die Familiengerichte diesem Gutachten unkritisch folgen würden.

Das folgende krasse Beispiel füge ich aus mehreren extremen zusammen, die mir schriftlich vorliegen: Die Partner trennen sich noch in der Schwangerschaft. Zwei Jahre nach der Geburt fordert der Vater das Sorgerecht. Der Gutachter plädiert dafür. Das Sorgerecht wird geteilt. Das Kind wird vom Umgangspfleger zum Vater transportiert. Die Mutter verfängt sich in einem endlosen Streit vor Gericht. Sie verliert die Nerven. Nun heißt es, sie sei „bindungsintolerant“, außerdem zur Erziehung unfähig. Man nimmt ihr das Kind ganz weg.

Was ist schiefgelaufen? Ein Gesetz, das den Vätern Rechte einräumen wollte, hat die Jugendämter vor unlösbare Probleme gestellt. Die Folge sind sehr problematische Entscheidungen. Im Jahr 2013 kritisierte sogar die UN-Menschenrechtskommission die “Unkontrollierbarkeit” der Arbeit der 572 deutschen Jugendämter und “fachliche Mängel” in ihren Entscheidungen. Die Bundesregierung akzeptierte diese Kritik. Geändert hat sich nichts.

Diese “fachlichen Mängel” können das Leben eines Kindes ruinieren. Zum Beispiel, wenn es dem “Wechselmodell” unterworfen wird.

Schon kleinsten Kindern werden von den Jugendämtern zwei Wohnsitze verordnet: einer bei der Mutter und einer beim Vater. Was soll das? Ein Kind braucht Geborgenheit, ein Zuhause und nicht zwei. Wer nicht einmal das begreift, der sollte über Kinder nicht entscheiden dürfen.“

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