Gunnar Schupelius: Warum müssen Trennungskinder zwischen den Eltern pendeln?

Gefunden hier:

http://www.bz-berlin.de/berlin/kolumne/warum-muessen-trennungskinder-zwischen-den-eltern-pendeln

Wenn sich die Eltern trennen, während ihr Kind noch sehr klein ist, dann galt es früher als selbstverständlich, dass das Kind bei der Mutter blieb.

Heute ist das anders. Jetzt gilt eine Regel, nach der das Kind von den ersten Lebenstagen an mit beiden Eltern in Kontakt sein soll, auch wenn sie im Krieg miteinander sind.

Diese Regel wird von Jugendämtern und Familiengerichten gegen den Willen von Müttern und Vätern durchgesetzt. Denn auch ein erzwungener Umgang diene dem Kindeswohl, heißt es.

Ich habe mehrfach die Meinung vertreten, dass es dem kleinen Kind nur schaden kann, wenn es zwischen den Eltern hin- und hergerissen wird. Wütende Väter griffen mich für diese Haltung heftig an.

Dennoch bleibe ich dabei, dass das Umgangsrecht zum Missbrauch einlädt. Mir liegen die Aussagen der Mitarbeiterin eines Jugendamtes aus dem Berliner Raum schriftlich vor. Sie sollte als Umgangspflegerin dafür sorgen, dass ein 16 Monate alter Junge zum Vater geschafft werden konnte.

Der Vater, der die Mutter schon vor der Geburt des Kindes verließ, hatte den Umgang erstritten. Zweimal pro Woche durfte er das kleine Kind für drei Stunden zu sich holen. Das gestaltete sich schwierig, denn der Junge wollte nicht mitkommen. Das Amtsgericht stellte fest, dass er „extrem leidet, wenn die Eltern sich sehen“.

Daraufhin wurde der Mutter verboten, das Kind dem Vater selbst zu übergeben. Die Umgangspflegerin sollte sie ersetzen. Doch immer, wenn sie den Jungen in ihrem Auto anschnallen wollte, streckte der seinen Rücken durch und wehrte sich. Sie gab zu Protokoll, dass der Junge „offensichtlich ein Problem“ damit habe, „sich von der Mutter zu trennen“ und dass er dabei „stark weint“.

Also wurde der Mutter doch wieder erlaubt, das Kind dem Vater selbst zu überreichen. Dazu musste sie unter der Aufsicht der Umgangspflegerin vor ihr Haus treten. Immer eskalierte nun die Lage, wenn der Vater erschien, den Jungen an sich riss und ihn in seinen Wagen steckte. Als „abrupte Entfernung des schreienden Kindes“ beschrieb die Umgangspflegerin diese Szenen. Sie urteilte abschließend: „Die Situation war offensichtlich nicht dem Wohl des Kindes entsprechend.“

Das Gericht entschied schließlich, dass der kleine Junge den Vater vorerst nicht mehr sehen und bei der Mutter bleiben sollte. Die Doktrin wurde einfach ausgesetzt, nach der die Kinder zwischen den Eltern zwangsweise pendeln müssen. Die Praxis hatte dem Wohl des Kindes eben nicht entsprochen.

Wie ich höre, sind nicht alle Umgangspfleger und Gerichte so einsichtig wie in diesem Fall. Oft werden die kleinen Kinder den Müttern entrissen, auch wenn jeder sieht, dass sie darunter leiden. Der Schaden, den ihre Seelen nehmen, findet keinerlei Beachtung. Warum kann man die armen Trennungskinder nicht wenigstens die ersten zwei Jahre ihres Lebens ganz in Ruhe lassen?“

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Ein Gedanke zu “Gunnar Schupelius: Warum müssen Trennungskinder zwischen den Eltern pendeln?

  1. Sehr sehr schlimm was ich da bei isabellgaudi lese!!! Fassungslos bin ich in diesem Fall auch über die Umgangshelferin, die in diesem FAlle ganz klar hätte erkennen müssen, dass das Kind nicht soweit ist und man die Umgänge wenn dann z.B. in einer Vertrauten Umgebung (Wohnung der Mutter) oder eben in Anwesenheit der Mutter hätte empfehlen müssen.

    Bei mir war es leider auch so, nur dass mein noch nicht mal ganz 2 Jahre alt war und der Vater hatte sich vor Gericht auch eine Übernachtung erstritten. Das waren extrem harte Zeiten für meinen Sohn. Er hatte extreme Trennungsängste Entwickelt, ist teilweise überhaupt nichtmal mehr mit Opa und Oma dann in einem Raum geblieben wenn ich nicht dabei war. Das Gericht wußte davon, dass mein Sohn bereits kurz vor der Trennung diese Ängste entwickelt hatte – Grund war, dass mein Exmann ein Doppelleben geführt hatte und das Kind als Alibi zum „Spazierengehen“ mitnahm, es aber in wirklichkeit in einer Fremden Umgebung abgeladen hatte und allein ließ.

    Sogar ein Schriftstück von der Kinderpsychologin die ich aufgrund des damals für mich erstmal unerklärlichen Verhaltens meines Sohnes konsultiert hatte lag sowohl dem Gericht als auch dem Jugendamt vor. Hier wurde ausdrücklich von Übernachtungen abgeraten. Tja. Wie ich schmerzlich erfahren habe zählt weder die Mutter mit der Kenntnis, wie es ihrem Kind geht, noch eine fachliche Meinung. Oberstes Ziel ist dem Antrag des Vaters stattzugeben (die armen Väter sind ja so benachteiligt) und das Kindeswohl muss sich dem fügen. Das alles unter dem Deckmantel eine „einvernehmliche Lösung“ zu finden. Wenn nun aber die Forderung/“Wunsch“ des Vaters der entwicklungsbedingten Reife des Kindes entgegensteht – egal! Ein Kind, unter drei, ist meiner Meinung nach überhaupt garnicht geeignet, einfach woanders als in der gewohnten Umgebung zu übernachten. Auch wenn es der Vater ist. Zuhause ist Zuhause. Mag sein, dass es EINZELFÄLLE gibt, bei denen das ohne Schaden funktoniert, aber wenn bereits vor der Entscheidung Bedenken im Raum stehen, darf das nicht gewährt werden.

    Mein Sohn ist nun aufgrund dieser Problematik ein „Integrationskind“ geworden. Die Trennungsängste haben die Integration in den Kindergarten extrem erschwert. Letztlich wird nur von allen Beteiligten „draufgezahlt“ – wenn der Vater sich nicht zurücknehmen kann und nur um der Macht willen sein Ding durchziehen will.

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