Carola Fuchs: Sind Alleinerziehende die Kehrseite der Medaille ?

gefunden hier: http://www.carola-fuchs.de/schildbuerger

Sind Alleinerziehende die Kehrseite der Medaille?

Achtung,  Schildbürger am Werk!

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„Alleinerziehende – Die Baustelle der Emanzipation“, so lautete kürzlich der provokante Titel von Birgit Kelles Radioshow, die mit folgendem Intro angekündigt wurde:

„Alleinerziehende in Deutschland – sie sind die Sorgenkinder der Familienpolitik und ihre Zahl wächst. Sind sie auch die Kehrseite der Emanzipationsmedaille, so wie es die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel: „Das hat der Feminismus nicht gewollt“ schreibt? Versprochen war doch durch die feministische Bewegung mehr Selbstständigkeit, mehr Eigenverantwortung, mehr Freiheit. Jetzt haben wir das alles – aber auch den Salat. Die alleinige Verantwortung für die Kinder, das Armutsrisiko und ein Unterhaltsrecht, das die meisten Frauen im Regen stehen lässt.“

Haben wir „das alles“ wirklich?

Schon der Begriff Baustelle zeigt an, dass es sich bei der Emanzipation um etwas Unfertiges handelt und nicht nur deswegen wage ich zu behaupten, dass wir noch weit davon entfernt sind „das alles“ zu haben.

Umgangs- und Sorgerecht öffnet Tür und Tor für Tyrannei

Ja, wir haben mehr Selbstständigkeit und mehr Freiheiten, als dies in den 1950er Jahren der Fall war und sind daher manchmal so dreist, uns aus Beziehungen zu lösen, die uns nicht gut tun. Aber nach der Trennung, sieht es zappenduster aus. Dann haben wir leider nicht die alleinige Verantwortung für die Kinder, was das Ganze nämlich um einiges leichter machen würde. Nein, das neue Umgangs- und Sorgerecht führt dazu, dass ein Expartner, wenn er es drauf anlegt, Frau und Kinder über Jahre hinweg tyrannisieren kann – psychisch, physisch und finanziell. In „Mama zwischen Sorge und Recht“ kann ich ein Lied davon singen.
Das ist zwar nicht der Regelfall, aber die Anzahl der laufenden Verfahren, von eingesetzten Umgangsbegleitern und Verfahrensbeiständen zeigt, dass es viel zu oft vorkommt.

Ein Elter mit biologischem Sachverstand

Und das Unterhaltsrecht ist der Schildbürgerstreich der Emanzipationsbaustelle schlechthin. Es verlangt von Müttern mit dreijährigen Kindern Vollzeit zu arbeiten. Ganz so, als wäre die Kinderbetreuung und die Erziehung ein Klacks. Das übertrifft sogar die Ironie von Johanna von Koczian. Sie erinnern sich, gell? „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann …la la la laaa la …“.

Wenn ich diese Forderung mit der Genderbrille aus dem Blickwinkel des nicht betreuenden Elters betrachte, dann macht das auf den ersten Blick durchaus Sinn. Natürlich habe ich keine Lust, dem Ex-Mensch und betreuenden Elter ein Schlaraffenland zu finanzieren und bin versucht, so wenig wie möglich zu zahlen.

Doch weil ich ein weitsichtiger Elter mit biologischem Sachverstand bin, denke ich noch um eine Ecke herum. Und dort eröffnet sich eine völlig neue Perspektive. Wie geht es denn meinen Kindern, wenn mein Ex-Mensch von 7.00 Uhr morgens bis 17.00 Uhr abends arbeiten muss, um einigermaßen über die Runden zu kommen? Das Elter muss dann schon um 5.30 aufstehen, wenn ich mich noch einmal gemütlich umdrehe und muss Frühstück samt Brotzeitboxen bereitstellen. Die Kinder müssen geweckt, gebändigt, mit adäquater Kleidung bestückt und um 7.00 in der Frühbetreuung des Hortes geparkt werden, bis sie um 7.45 zum Klassenzimmer gehen dürfen. Zu der Zeit stehe ich gerade auf, wanke unter die Dusche und freu mich darauf in Ruhe, bei einer Tasse Kaffee den Newsfeed zu checken.

Nach einem ganzen Arbeitstag kommt das andere Elter um 17.30 abgehetzt im Hort an, sammelt die Kinder auf, die dort aufbewahrt waren, während die meisten ihrer Klassenkameraden schon um 15.00 zuhause waren, mit Freunden spielen konnten, Hausaufgaben verbessern oder ihren musischen und sportlichen Neigungen nachgehen konnten. Bis Essen gemacht, selbiges verzehrt und der Haushalt erledigt ist, müssen die Kinder ganz schnell ins Bett und es bleibt viel zu wenig Zeit zum Spielen, Lesen und Erzählen.

Lohnende Investition in die eigenen Gene

Also, meinem Ex-Mensch würde ich das vielleicht sogar gönnen, je nachdem wie fies ich es fand, dass er sich von mir getrennt hat. Aber meinen Kindern, nein, meinen Kinder kann ich das nicht zumuten! Sie bestehen zur Hälfte aus meinen Gene und die haben nur das Beste verdient. Sie sollen in der Schule ausgeschlafen sein und nachmittgas mit ihren Freunden spielen dürfen. Ich will, dass sie ein Instrument lernen und sich im Sportverein austoben können. Deswegen kann der betreuende Elter maximal eine zweidrittel Stelle bewältigen und ich muss in den sauren Apfel beißen und ihm mindestens die Hälfte des Verdienstausfalls wegen Aufzucht meiner Gene ausgleichen. Mit der Zeit, wenn der Groll etwas verraucht ist, erfreue ich mich daran, dass meine Gene so gut gedeihen und lege sogar noch ein paar Scheine drauf. Immerhin hatte ich genug Zeit, in Ruhe Karriere zu machen. Und dank der stillgelegten Dauerbaustelle Emanzipation, bekomme ich aus unerfindlichen Gründen als männlicher Mensch zwanzig Prozent mehr für den gleichen Job, als die weiblichen Menschen. Das investiere ich gerne in meine genetische Fitness.

Emanzipation muss man sich leisten können

Die Alleinerziehenden sind also nicht die Kehrseite der Emanzipation, so dass man den absurden Schluss ziehen müsste, dass es ein Fehler war, Frauen Selbstbestimmtheit zuzugestehen. Wie gesagt, die 50er Jahre sind längst vorbei – zumindest hoffe ich das.

Aber durch diese provokante Fragestellung wird offensichtlich, dass die Emanzipation eine Dauerbaustelle ist. Die Elbphilharmonie und der Berliner Flughafen sind dagegen buchstäbliche Waisenkinder. Es kann nicht sein, dass Frauen bei ihren Männern bleiben müssen, nur weil sie es sich finanziell nicht leisten können. Frauen bringen nun mal die Kinder auf die Welt und haben deswegen in den allermeisten Fällen Karriereeinbußen. Das muss auch nach der Trennung auf beiden Elter-Schultern verteilt werden. Nur dann haben Frauen wirklich die Freiheit, sich zu trennen.

Danke Birgit Kelle für den Gedankenanstoß und auch dafür, dass ich mitdiskutieren durfte. :-)

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