Ein Großvater an SPD Europa-Abgeordnete Noichl

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Noichl,

bezugnehmend auf o.a. Veranstaltung bringe ich mein Erstaunen über die einseitige Referentenbesetzung zum o.a. Thema zum Ausdruck.
Letztere bestätigt mir erneut die gute politische Vernetzung von „Väteraufbruch für Kinder“ u. ä. Vätervereinen.

Als Großvater beobachte ich – zunehmend irritiert – seit Jahren, welch Menschenbild und welch rudimentäres Rechtsgefühl gegenüber den Kindern (und auch den meist betroffenen Müttern) in dieser unserer Bundesrepublik herrscht.
Man kann das Wechselmodell auch so sehen:

Die i. d. R. hauptsächlich betroffenen Väter brauchen dabei keine Alimente mehr zu zahlen und auch die Familiengerichte sind fein raus – automatische und schnelle Regelung.

Die Kinder kommen hier nun scheinbar überhaupt nicht mehr vor. Genauso wie die Erkenntnisse der neuen Bindungsforschung!
Außerdem lässt das Wechselmodell jede praktische Vernunft außer Acht: Es müssen zwei Infrastrukturen für die Kinder gleichzeitig aufgebaut werden!

Ungeachtet all dessen wird versucht, diese Ideologie ins politische Programm zu drücken!

Man darf gespannt sein, welches Menschenbild und welche Einstellung zu Gemeinschaften und unserem Staat gegenüber die betroffenen Kinder einmal im Erwachsenenalter haben werden.
Mit freundlichen Grüßen

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Ein Gedanke zu “Ein Großvater an SPD Europa-Abgeordnete Noichl

  1. Kinder im Wechselmodell sind sowohl in unterhaltstechnischer Hinsicht als auch in der Gestaltung ihres Alltags mit Kindern im Residenzmodell NICHT gleichgestellt.

    Ein Kind im Residenzmodell hat einen gesetzlichen Anspruch auf Mindestunterhalt, ein Kind im Wechselmodell jedoch nicht, da sich die beiden halben Unterhaltsverpflichtungen der Eltern meist gegeneinander aufheben. Selbst bei ungleichen Gehältern ist der Differenzbetrag so gering, dass er kaum ins Gewicht fällt. Durch diese Unterhaltsregelungen geraten BEIDE Eltern in die Pflicht zur Erwerbsobliegenheit: Das heißt, sie müssen, um das Modell finanzieren zu können, voll arbeiten, auch wenn die Kinder noch klein sind. In der Theorie werden diese Regelungen überaus rosig vermarktet („beide Eltern können sich ihrer beruflichen Entwicklung widmen“), in der Praxis ist dies jedoch für die betroffenen Kinder eine absolute Zumutung: Oft pendelt die Mutter, weil sich kein Job in der Nähe finden lässt (sie ist durch das Wechselmodell an den Wohnort des Vaters gebunden) oder arbeitet unterbezahlt, muss nachmittags arbeiten, um den fehlenden Unterhalt kompensieren zu können (die Kosten bei einem Wechselmodell verdoppeln sich: doppelte Miete, doppelte Kosten für Kleidung und Wohnungseinrichtung) und muss die Kinder aus finanziellen Gründen in die Fremdbetreuung geben, auch in den Zeiten, in denen die Kinder bei ihr sind. Die Kinder im Wechselmodell sind daher nicht nur in unterhaltsrechtlichem Sinn gegenüber Kindern im Residenzmodell benachteiligt: Im Gegensatz zu Kindern, bei denen die Mütter durch den Kindesunterhalt die Möglichkeit haben, halbtags zu arbeiten und sich mit Zeit und Ruhe um die Erziehung der Kinder kümmern zu können, verbringen sie die Nachmittage bei Freunden oder in Kindereinrichtungen. Die Wallersteinstudie hat die Folgen solch irrsinniger Entscheidungen auf den Punkt gebracht: Kinder mit voll arbeitenden Eltern fühlen sich, wenn sie vor der Trennung in einem Haushalt mit klassischer Rollenverteilung lebten, nach der Trennung überaus einsam, ja richtiggehend verlassen und abgeschoben. Wenn es noch andere Kinder in Patchworkfamilien gibt, die nicht pendeln, werden sie gegenüber diesen Kindern zu Kindern zweiter Klasse.
    Wenigstens in unterhaltsrechtlicher Hinsicht sollte es bei Kindern keine Zweiklassengesellschaft geben.

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