Kommentar eines Blog-Lesers zum Wechselmodell

„Kinder im Wechselmodell sind sowohl in unterhaltstechnischer Hinsicht als auch in der Gestaltung ihres Alltags mit Kindern im Residenzmodell NICHT gleichgestellt.
Ein Kind im Residenzmodell hat einen gesetzlichen Anspruch auf Mindestunterhalt, ein Kind im Wechselmodell jedoch nicht, da sich die beiden halben Unterhaltsverpflichtungen der Eltern meist gegeneinander aufheben. Selbst bei ungleichen Gehältern ist der Differenzbetrag so gering, dass er kaum ins Gewicht fällt. Durch diese Unterhaltsregelungen geraten BEIDE Eltern in die Pflicht zur Erwerbsobliegenheit: Das heißt, sie müssen, um das Modell finanzieren zu können, voll arbeiten, auch wenn die Kinder noch klein sind. In der Theorie werden diese Regelungen überaus rosig vermarktet (“beide Eltern können sich ihrer beruflichen Entwicklung widmen”), in der Praxis ist dies jedoch für die betroffenen Kinder eine absolute Zumutung: Oft pendelt die Mutter, weil sich kein Job in der Nähe finden lässt (sie ist durch das Wechselmodell an den Wohnort des Vaters gebunden) oder arbeitet unterbezahlt, muss nachmittags arbeiten, um den fehlenden Unterhalt kompensieren zu können (die Kosten bei einem Wechselmodell verdoppeln sich: doppelte Miete, doppelte Kosten für Kleidung und Wohnungseinrichtung) und muss die Kinder aus finanziellen Gründen in die Fremdbetreuung geben, auch in den Zeiten, in denen die Kinder bei ihr sind. Die Kinder im Wechselmodell sind daher nicht nur in unterhaltsrechtlichem Sinn gegenüber Kindern im Residenzmodell benachteiligt: Im Gegensatz zu Kindern, bei denen die Mütter durch den Kindesunterhalt die Möglichkeit haben, halbtags zu arbeiten und sich mit Zeit und Ruhe um die Erziehung der Kinder kümmern zu können, verbringen sie die Nachmittage bei Freunden oder in Kindereinrichtungen. Die Wallersteinstudie hat die Folgen solch irrsinniger Entscheidungen auf den Punkt gebracht: Kinder mit voll arbeitenden Eltern fühlen sich, wenn sie vor der Trennung in einem Haushalt mit klassischer Rollenverteilung lebten, nach der Trennung überaus einsam, ja richtiggehend verlassen und abgeschoben. Wenn es noch andere Kinder in Patchworkfamilien gibt, die nicht pendeln, werden sie gegenüber diesen Kindern zu Kindern zweiter Klasse.
Wenigstens in unterhaltsrechtlicher Hinsicht sollte es bei Kindern keine Zweiklassengesellschaft geben.“

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Ein Gedanke zu “Kommentar eines Blog-Lesers zum Wechselmodell

  1. Für ein Wechselmodell bezahlen die Kinder, nicht die Eltern.
    Ein einfaches Rechenbeispiel:
    Vier Kinder werden durch eine unsachgemäße Mediation, nachdem sie in einer Einverdienerehe groß geworden sind (die Mutter war immer für sie da), in ein Wechselmodell gezwungen.
    Würden sie in einem Resizenzmodell leben, stünden ihnen rechtmäßig ca 1100 € Unterhalt plus Kindergeld zur Verfügung.
    Davon könnten Mutter und Vater den Mietanteil für die Kinder und die Hobbies der Kinder bezahlen (in der Stadt, in der die Kinder leben, kostet eine 4-Raum-Wohnung 1100 €, ein Musikinstrument zu lernen kostet ca. 80€ pro Monat).
    Die Kinder leben nun aber, wie schon gesagt, im Wechselmodell.
    Der Vater zahlt eine unterhaltsrechtliche Ausgleichszahlung von 500 € und erhält für 2 Kinder das Kindergeld.
    Der Vater, der genauso wie die Mutter eine Wohnung von 1100 € vorhalten muss, kann von dem Rest seines Gehaltes gerade so existieren.
    Die Mutter muss voll arbeiten gehen (in einer anderen Stadt), um den Unterhaltsausfall und das fehlende Kindergeld kompensieren zu können.

    Wer bezahlt nun das alles? DIE KINDER!
    Sie bezahlen, indem
    – sie „abgeschoben“ werden müssen (Fremdbetreuung, Freunde)
    – ihr eigentlicher Barunterhaltsanspruch für die Miete der zweiten großen Wohnung verwendet wird
    – sie kaum mehr Freizeitbeschäftigungen finanziert bekommen können
    – die Eltern jedes Mal, wenn eine Klassenfahrt bevorsteht, in Stress kommen
    etc.
    – die großen Kinder (in der Ausbildung) keinen Ausbildungsunterhalt von den Eltern bekommen, da dieser für die Wechselmehrkosten der jüngeren Kinder verwendet wird

    WECHSELMODELL ZUM WOHLE DER KINDER ?

    Über eine Initiative zu diesen Fragen würde ich mich freuen.

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