Kommentar einer Blog-Leserin zum Wechselmodell

„Ich habe mich in einigen Wechselmodellforen umgehört und folgende Entdeckung gemacht: Die Mehrzahl der Väter, die das Wechselmodell als Standardlösung fordern, ist nicht bereit, diese Lösung an das Kontinuitätsprinzip zu koppeln, d.h. unabhängig von der Rollenverteilung in der Ehe/Beziehung soll das Wechselmodell als Standardlösung eingeführt werden.
Die Demagogie in der Argumentation der Väter, auf die in letzter Zeit alle (wirklich ALLE!) hereinfallen:
Das Familienrecht würde die Väter benachteiligen (so z.B. im Antrag der SPD Meißen an die Bundespartei).
Das Familienrecht ist jedoch de facto gar nicht nicht pro Mutter, sondern am Kontinuitätsprinzip orientiert, d.h., ein Vater, der sich liebevoll um die Kinder kümmert und zu Hause bleibt, um die Betreuung zu gewährleisten, würde im Streitfall auch den Lebensmittelpunkt der Kinder bei sich begründen können. Dass in Deutschland so viele Trennungskinder bei der Mutter leben, liegt NICHT an einem “ungerechten Familienrechtssystem”, sondern am Kontinuitätsprinzip, also schlicht und einfach daran, dass die überwiegende Mehrzahl der Väter keine Lust hat, sich um Babys oder Kleinkinder zu kümmern oder für diese auf Geld, Status oder Karriere zu verzichten.
Und nun wird es richtig verrückt: Eben diese Mehrzahl der Väter fordert nun ein Wechselmodell als Standardlösung NACH DER TRENNUNG, völlig losgelöst von den Betreuungsverhältnissen VOR der Trennung. Das bedeutet: Die Mütter sollen die Kinder gebären und großziehen, gegebenenfalls ihre Ausbildung abbrechen, auf eine gute Anstellung verzichten, während die Väter nicht anwesend sind, und wenn die Kinder dann in einer Einrichtung untergebracht werden können, soll plötzlich die Gleichberechtigung der Väter oberstes Prinzip werden! Dies wird untermauert mit der These: “Kinder brauchen beide Eltern zu gleiche Teilen” – nur eben VOR der Trennung nicht, aber DANACH um so mehr!
Ich habe nichts gegen ein Wechselmodell, wenn beide Eltern arbeiten gehen, genug Geld verdienen und die Kinder an die Betreuung durch beide Eltern gewöhnt sind – diesen Kindern sollte man auf keinen Fall ein Elternteil vorenthalten, zu dem eine enge Bindung besteht.
Aber warum sieht keiner, worum es hier tatsächlich geht? Warum erkennt niemand, dass hier das Kontinuitätsprinzip ausgehebelt werden soll, damit Väter rechtlich besser gestellt werden, als Mütter (Frauen können sich kurz nach einer Geburt meist wesentlich weniger gut wehren, als Männer)?
Wenn das “gleiche Recht am Kind” zum obersten Prinzip in Deutschland wird, dann sind Mütter nicht mehr geschützt, die ihr Kind stillen möchten, eine Risikoschwangerschaft haben, eine schwere Entbindung verarbeiten müssen oder noch keinen festen Job haben. Sie verlieren in der Zeit nach der Geburt ihre Rechtssicherheit, sie können dann z.B. dazu gezwungen werden, ihr Baby abzustillen und es im Wechselmodell mit einem Mann zu erziehen, zu dem gar keine Beziehung bestand. Unter Umständen sind sie nie wieder dazu in der Lage, den Wohnort zu wechseln oder einen Job zu bekommen.
Sollten solche Gesetze in Deutschland zur Realität werden, ist es in Deutschland für eine Frau nicht mehr ratsam, Kinder zu bekommen, so lange man keine vollendete Karriere hingelegt und sich abgesichert hat.“

GekauftesKofferkind

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