Offener Brief an den Spiegel

Herr Kleinhubbert vom Spiegel, ruft auf zu einseitigen – lediglich positiven – Erfahrungsberichten zum Thema Wechselmodell. Eine journalistisch saubere Beleuchtung beider Seiten der Medaille wird offensichtlich nicht angestrebt. Dazu schreibt eine Mutter:

„Sehr geehrter Herr Kleinhubbert,
Sie möchten einen Bericht über das Wechselmodell schreiben, suchen dafür Experten, weiterhin Väter, die dies gern leben wollen und schließlich Paare, die dieses Modell mit Freuden leben. Kurzum: sie möchten einen positiven Artikel dazu schreiben. Das steht Ihnen natürlich zu. Nur: beleuchtet solch ein Artikel dieses Modell sehr einseitig. Ich empfehle Ihnen als Lektüre den Bericht über das Wechselmodell vom Deutschen Familiengerichtstag 2014 und schließlich die sehr ausführliche Stellungnahme des VAMV zum Wechselmodell. Die Stellungnahmen des VAMV beruhen grundsätzlich auf sehr genauen Recherchen. Dort sind auch wissenschaftliche Angestellte aktiv. Im VAMV sind auch Väter aktiv. Er ist nicht pro Mutter.
Das Netzwerk Mütterinitiativen, zu dem ich gehöre, erlebt in seinen verschiedenen Internetforen und Facebookgruppen sowie durch Mails und Briefe, dass viele Mütter mit diesem Modell unzufrieden sind und viele Kinder dadurch schwer geschädigt werden. Kleine Kinder erleben Bindungsstörungen, größere Kinder sind gestresst und entwickeln Lernstörungen. Wenn die Kinder dann so groß sind, dass sie selber entscheiden können, werden die Wechselmodelle sehr häufig aufgelöst. Auch kein Erwachsener würde so leben wollen. Fast alle Kinder haben weniger Zeit für ihre Freunde, Verabredungen finden sehr selten statt. Für die Mütter bedeutet so ein Modell sehr häufig der Fall in die totale Armut. Zu finanzieren ist dieses Modell meist nur, wenn Mutter und Vater ganztags berufstätig sind und die Kinder nicht im Wechsel bei Vater und Mutter, sondern meist fremdbetreut großwerden.
Selbstverständlich gibt es Konstellationen, in denen so ein Modell sinnvoll sein mag. Wenn Papa und Mama auch nach der Trennung gut befreundet sind, gut miteinander Kommunizieren und quasi nebenan wohnen. Wenn dann Mama und Papa noch selbstständig sind und ihre Arbeitszeit selbst einteilen können, dann könnte so ein Modell rund laufen. Insbesondere, wenn die Kinder in der Betreuungszeit von Mama trotzdem nochmal zu Papa kommen können, gute Nacht sagen können, und in der Betreuungszeit von Papa trotzdem nochmal eben zu Mama reinkommen können.
Aber so sind Wechselmodelle häufig nicht gedacht. Es geht meist um die gerechte „Aufteilung“ des Kindes. Das Kind wird nicht als Subjekt, sondern als Objekt gedacht.
Mit freundlichen Grüßen“

 

Koffer Hotel

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