Die „… wenn man uns lässt“-Väter

aufZehenspitzen

Wir sind die neuen Helden, wenn man uns lässt.“ Die Einblendung kommt nach 20 Sekunden und ich bin geneigt, den Laptop einfach wieder zuzuklappen. Väter – die neuen Helden heißt Teil 1 einer zweiteiligen Dokumentation auf WDR. Wenn man uns lässt, also. „Wer ist schuld? Na, na?“ zwickt der nachgeschobene Beisatz die Mütter keck in die Seiten. Aber es folgt ein schnelles Fade-Out. Um Mütter (und ihre Kämpfe, Sorgen, Verzichte, Befindlichkeiten) geht’s hier nicht.

Zur Doku stellt der Sender auch die Ergebnisse einer repräsentativen Studie zur Verfügung ins Netz, für die im Herbst 2015 insgesamt 1.037 Väter aus NRW mit Kindern unter zehn Jahren befragt wurden. Die Auswertung einer Frage sticht besonders ins Auge:

WDR Screenshot via www1.wdr.de/themen/aktuell/daten-junge-vaeter-100.html

Emotional mag sich also für die „neuen Helden“ vielleicht einiges geändert haben – aber ansonsten verläuft das Leben im jungen Vaterglück recht beschaulich in den bekannten Bahnen weiter. Naja. Immerhin: 1 Prozent…

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4 Gedanken zu “Die „… wenn man uns lässt“-Väter

  1. Besonders spannend wird es, wenn man die Zahlen untersucht, wie viele Väter für ihr Kind tatsächlich finanziell und beruflich zurückstecken:

    Junge Väter in NRW 2015:

    Frage: Wie viele Monate haben Sie Elternzeit genommen oder planen Elternzeit zu nehmen?
    Gesamt 45 Jahre
    1 Monat 3 2 4 1
    2 Monate 12 11 15 8
    3 Monate 4 6 4 3
    4 Monate 1 1 1 1
    5 Monate 1 2 1 0
    6 Monate 2 2 1 4
    7 Monate 0 0 0 0
    8 Monate 0 0 0 0
    9 Monate 1 1 1 0
    10 Monate 1 0 1 0
    11 Monate 1 2 0 0
    12 Monate und mehr 6 6 5 7
    Elternzeit nicht genommen/nicht geplant
    68 66 67 76

    Sollten Väterrechler vor diesem Hintergrund weiterhin mit ihrer Forderung nach einem Wechselmodell als Standardlösung so präsent in den Medien und politisch so erfolgreich sein, werden Wechselmodelle in den meisten Fällen zu Bindungsstörungen der Kinder, zu Armut der ehemaligen Hauptbezugspersonen der Kinder und zu einer anwachsenden Benachteiligung von Frauen und Müttern führen.
    Die Verantwortung für das berufliche Zurückstecken der Väter nach der Geburt eines Kindes tragen die Väter selbst, und nicht die Mütter. Um diese Fehlentwicklungen zu verhindern, sollte, bevor ein Wechselmodell als Standardlösung eingeführt werden kann, dafür Sorge getragen werden, dass sich Väter von Anfang an paritätisch in die Betreuung ihrer Kinder mit einbringen müssen, und nicht erst dann, wenn es sich statustechnisch und finanziell für sie lohnt.

      1. Liebe Isabellgaudi, die Zahlen sind Prozentzahlen aus dem oben genannten Link. Sie geben an, wie viel Prozent der Väter in den verschiedenen Altersgruppen überhaupt Erziehungszeit für ihre Kinder nehmen. Leider konnte ich sie nicht richtig in meinen Beitrag kopieren. Vielleicht gelingt es ja dir? Liebe Grüße

  2. Ergänzung aus der oben genannten Quelle: „68 Prozent der Befragten gaben an, keine Elternzeit genommen zu haben. … Sehr viele Befragte gaben an, dass dies zu beruflichen Nachteilen geführt hätte oder in ihrem Job nicht möglich sei.“
    Gerade einmal 6 % der Väter in NRW nehmen der Studie zufolge 12 oder mehr Monate Erziehungszeit. Die meisten Väter der 32 %, die schon einmal Erziehungszeit genommen haben, bleiben nur 1, 2 oder drei Monate zu Hause. In der Presse wird jedoch überall von Gleichberechtigung und der Rolle der neuen Väter geschrieben, weshalb das Wechselmodell zu einer Standardlösung werden solle. Die Realität scheint jedoch völlig anders auszusehen: Mütter sollen die Hauptbetreuungsarbeit leisten und nach wie vor berufliche und finanzielle Einbußen hinnehmen, wenn ein Kind zur Welt kommt, nach einer Trennung soll jedoch Gleichberechtigung eingeführt werden mit Hilfe eines Wechselmodells. Diese Argumentation ist für mich nicht stimmig.

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