Berliner Zeitung / Birgit Walter: Charlottes Odysee

„Kurz nach Mitternacht verschickt Charlotte von ihrem Handy eine Kurznachricht. Ihr 18. Geburtstag ist gerade eine Minute alt, als sie an diesem kühlen Januartag mit einer knappen SMS eine lebenslange Beziehung beendet – die zu ihrem Vater. Vorbei!, schreibt sie. Dass sie ihn nicht mehr sehen will. Dass er sich ihr nicht mehr nähern darf. Charlottes Schlusspunkt hat etwas unerhört Gnadenloses. Aus der Ferne denkt man erschrocken: Der arme Vater.

Um es gleich klarzustellen – es geht hier nicht um einen Vater, der sein Kind missbraucht oder geprügelt hat. Nein, er wollte es einfach nur haben, bei sich haben. In einem jahrelangen Trennungsstreit kämpfte er mit zäher Energie um seine Tochter, gewann 2007 in zweiter Instanz vor Gericht das alleinige Sorgerecht und verlor – alles. Seine Tochter womöglich für immer. Charlotte, heute eine liebenswerte 19-Jährige mit wachen Augen und langen Haaren, groß, schmal, anmutig, sitzt zu Hause am großen Esstisch und sagt zu ihrem kalten Schlusspunkt: Darauf musste ich lange warten, zu lange.

Ahnen Eltern in Trennung eigentlich, was sie einander zumuten, wenn sie sich entschließen, ihre intimen familiären Beziehungen, das Verhältnis zwischen sich und ihren Kindern vor Fremden auszubreiten? Dass ihnen am Ende Jugendämter, Gutachter, Anwälte, Therapeuten, Verfahrensbeistände und Richter vorschreiben werden, wann, wo und wie lange die eigenen Kinder ihre Wochenenden und Ferien verbringen? Wer so einen Prozess je aus der Nähe miterlebt hat, wünscht nur eines, dass Eltern, bitteschön, über sich hinauswachsen, Verstand und Vernunft aktivieren und eigene Abmachungen treffen für den künftigen Umgang mit den Kindern. Alles ist besser als Fremdbestimmung. Vor allem aber können nicht nur Lebenspartner irren. Auch in der Rechtsmaschinerie des Staates gibt es so viele Schaltstellen bei strittigen Trennungs-Procedere, dass es dort genauso zu Versagen und Fehlurteilen kommen kann. Der Fall Charlotte, an den sich Familienrichter im Land Brandenburg bis heute erinnern,…“

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https://www.pocketstory.com/berliner-zeitung/charlottes-odyssee

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