Tag X vor und nach dem Umgang

12 Tage bis zum geplanten Umgang : Der sorgenvolle Vater tut in einer Facebook Gruppe sein intensives Vermissen für seine Kinder kund. Nach dem wunderschönen Wochenende mussten diese wieder zu der Mutter, die ja nichts von Kindern versteht, weswegen der Vater sich nun Sorgen macht, dass die Kinder es bei ihr nicht so gut haben wie bei ihm.

10 Tage bis zum geplanten Umgang : Der leidende Vater erzählt seine Geschichte. Nach 5 Jahren Beziehung hat die kaltherzige Frau beschlossen sich zu trennen und jetzt, nur ein Jahr später, ist sie mit einem neuen Mann zusammen. Das bricht dem Vater sein Herz, er sagt er fühlt sich entwertet und wird den Kindern zu liebe, der Mutter jetzt eins auswischen.

9 Tage bis zum geplanten Umgang : Der freudige Vater teilt der Gruppe mit, dass er den Unterhalt nicht überwiesen hat und auch nicht überweisen wird. Damit die Mutter die Tragweite ihrer Gräueltaten versteht, legt er ihr in einer sachlichen Nachricht seine konstruktiven Erziehungsabsichten dar: „Wenn du dreckige N*tte dich fertig fi**** lassen hast, kannst du ja drauf hoffen, dass dein neuer deinen dummen Ar** finanziert“. Der Vater ist zufrieden mit seiner kompetenten Problemlösungssstrategie

6 Tage bis zum geplanten Umgang : Die Mutter hat in einem abscheulichen Akt immer noch keine Stellung zu der Erziehungsmaßnahme bezogen. Auch in der Gruppe schlägt dem vom Leben gebeutelten Mann nicht die Empathie entgegen, die er sich erhofft hat. Seine täglich zwei mal verfassten Posts, die seine nie enden wollende Liebe zu den Kindern verkünden, werden regelrecht ignoriert. Der Vater überlegt die Gruppe zu melden, wegen grober Un-Emotionalität.

5 Tage bis zum geplanten Umgang : Die widerliche Mutter teilt dem stets rationalen Vater mit, dass der geplante Umgang vielleicht nicht stattfinden kann. Das Kind hat Fieber. Außerdem trifft ein Brief von einem Rechtsverdreher ein, der ihn zur Zahlung des Unterhalts auffordert, anstatt Verständnis zu zeigen.

4 Tage bis zum geplanten Umgang : Der mitfühlende Vater fordert die dreckige Lügnerin auf, ihm ein Attest zu senden, dass das Kind auch wirklich krank ist. Er wittert eine Intrige!

2 Tage bis zum geplanten Umgang : Das Attest trifft ein. Die Mutter teilt ihm aber in einer schonungslosen Nachricht mit, dass sie glaubt, Junior habe das Schlimmste hinter sich und vielleicht kann der Umgang stattfinden. Die Gruppe ist scheinbar von der Mutter unterwandert und fragt, ob es ihm denn wirklich um seine Kinder gehe. Diese männerhassenden Weichlinge haben auch wirklich gar nichts im Leben begriffen.

1 Tage bis zum geplanten Umgang : Die falsche Schlange von Mutter schreibt ein liebloses : „Das Fieber sinkt“. Nach all der gemeinsamen Zeit hat sie kein Wort für den Vater übrig! Wahrscheinlich ist sie zu beschäftigt damit, ihrem neuen in den A**** zu kriechen

Umgangstag : Die heimtückische Mutter schreibt, dass der Umgang stattfinden kann, da es dem Kind soweit wieder gut geht. Der standhafte Vater lehnt ab. Er hat die Erkenntnis getroffen, dass er keine Marionette sei, die sich von der Mutter und ihrem Neuen herum schubsen lässt. Der Vater fühlt sich von seiner Gruppe nicht verstanden und bietet deswegen einen sachlichen Kompromiss an, der den Dialog erleichtern soll. Danach sollen sich die ganzen Emanzen und Männerhasser doch bitte einem Koitus hingeben, um in Zukunft wieder rational argumentieren zu können und dann mit ihm reden.

1 Tag nach dem geplanten Umgang : Der vom Leben gebeutelte Vater betont in der Gruppe, dass es ihm um seine Kinder gehe. Er hat nur ihr bestes im Sinn. Um die Macht-Konstellationen klar zu stellen, antwortet er auf die erste Nachfrage, ob es nicht doch um verletzte Gefühle geht, mit einem konstruktiven „Fo**enknecht“. Er ist empört, als ihn ein Admin schließlich aus der Gruppe wirft.

1 Woche nach dem geplanten Umgang : Um der verantwortungslosen Mutter den richtigen Weg zu zeigen, hat der Vater beschlossen, die Kinder nicht mehr zu nehmen. Auf diese Weise hat sie für ihren neuen weniger oder keine Zeit mehr und endlich Gelegenheit, ihr Tun zu reflektieren. Der Vater ist sehr glücklich, denn in einem Forum für Männerrechte hat er endlich Gleichgesinnte gefunden, die ihn verstehen. Er möchte als nächsten Schritt die Mutter wegen Umgangsverweigerung anzeigen und findet damit großen Zuspruch.

Mögliches Ende der Geschicht:

Mit Hilfe seiner neuen Väterrechtsfreunde kann der Vater der Richterin glaubhaft machen, daß seine böse bindungsintolerante Ex die Kinder negativ beeinflußt, weil sie die Paarebene nicht von der Elternebene unterscheiden kann, so daß die Kinder nur wegen ihrer Intrigen mittlerweile keinen Kontakt mehr wollen und der daraufhin bestellten Gutachterin kann er perfekt vorspielen, was er für ein vorbildhafter Vater ist, der dringend viel mehr Zeit mit seinen Kindern benötigt. Deshalb entscheidet das Gericht auf Wechselmodell…

Von Lotta Krebs

Rodin-Denker-Kyototer

Epidemic of Protective Mothers losing custody to abusive fathers

 

Die Forscherin Joan Meier beschäftigt sich mit dem inflationären Gebrauch der angeblich wissenschaftlich fundierten Theorie des Eltern-Kind-Entfremdungssyndroms (PAS). Sie spricht davon, dass immer mehr auffällt, dass in Fällen, in denen Opfer häuslicher Gewalt (HG) vor Gericht äußern, es hätte Gewalt gegeben, Gerichte diesen nicht glauben und Kinder in ihr ‚Verderben‘ schicken, in dem sie z.B. Umgang mit dem Täter gewähren oder die Kinder gar dem Opfer entziehen und dem Täter zuweisen. Das sei kein Phänomen einzelner Gerichte oder besonders schlecht informierter Familienrichter, sondern passiere landesweit.
Besonderen Fokus legt die Forscherin auf das oben bereits erwähnte PAS. Die Gutachter verwenden diese Theorie inflationär und Richter verlassen sich darauf. Dabei ist dies weder eine wissenschaftliche Theorie, noch gibt es empirische Grundlagen (nie erforscht worden) für die Existenz eines solchen Phänomens. Es gibt viele Zitationen dazu, aber keine Grundlagenforschung, keine Nachweise.

Wenn Wissenschaft und Kindeswohl dem Lobbyismus zum Opfer fallen…

Letzte Woche fand ich im „Stern“ (26/2016) einen bemerkenswerten Satz:

„Tatsächlich zeigen zwei schwedische Studien der Psychologin Malin Bergström und des Soziologen Jani Turunen: Eltern und Kinder sind mit dem Wechselmodell zufriedener als im Einzelresidenzmodell. Alle sind weniger gestresst, die Kinder klagen seltener über psychosomatische Beschwerden.“

Komisch – also meine Kinder scheinen da die ganz große Ausnahme zu sein – drei von vier Kindern erkrankten schwer, eines konnte deshalb nicht eingeschult werden, ein zweites war ein Jahr lang nicht schulfähig …. Merkwürdigerweise wurden die Kinder dann wieder gesund, als sie nicht mehr wechseln mussten – dabei hatte ich alles richtig gemacht! Ich hatte meine bequeme Urlaubsposition als Hausfrau und Mutter von vier Kindern nach der Trennung sofort an den Nagel gehängt, bin endlich einmal richtig arbeiten gegangen, wurde voll erwerbstätig, um mich nicht weiter wie ein Geld verschlingender Parasit gegenüber dem armen Vater unserer Kinder aufzuführen, habe unsere Kinder in die Fremdbetreuung gegeben, Zweit- und Drittjobs angenommen, um das Wechselmodell finanzieren zu können und hielt mich peinlich genau an die von Frau Sünderhauf und Herrn de Man vorgeschlagenen Wechselrhythmen – unsere Kinder wechselten über Jahre alle zu verschiedenen Zeiten, damit der zeitlich vorgeschriebene Abstand zu dem jeweiligen Elternteil nicht zu groß wurde, so wie von den Forschern verlangt – und trotzdem wurden die Kinder krank! Die Erklärung unserer Familienberatungstelle war einfach, nachvollziehbar und aufgrund der großen fachlichen Kenntnis immer gleich: Ich als Mutter war an den Erkrankungen der Kinder Schuld, da ich innerlich das Wechselmodell nicht mittragen würde! So ähnlich stehe es bei Frau Sünderhauf: Wenn ein Kind nicht mit dem Wechselmodell zurechtkomme, sei definitiv derjenige Schuld, der seine Ablehnung auf das Kind übertrage und das Kind dadurch in Konflikte stürze!

 

Wer oder was verbirgt sich hinter den Namen der Wechselmodellforscher, die so etwas behaupten, deren Erkenntnisse von der überaus guten physischen und psychischen Gesundheit der Wechselmodellkinder immer exzessiver in den Medien und im Netz Verbreitung finden, und denen erstaunlicherweise immer mehr geglaubt wird?

 

Im Jahr 2012 gründete der Landesverband Baden-Württemberg des Väteraufbruches die Projektgruppe „Paritätische Doppelresidenz“. Der Väteraufbruch verfolgt klare politische Ziele: Aus der Überzeugung heraus, dass familienrechtliche Regelungen Frauen und Mütter bevorzugen und Männer diskriminieren, fordert der bundesweit agierende Verein das gemeinsame Sorgerecht von Geburt an, die gemeinsame Betreuung von Kindern nach Trennung und Scheidung in penibel vorgeschriebenen Wechselabständen und eine Einschränkung des Kindesunterhaltes in Abhängigkeit der vom Vater geleisteten Betreuungszeiten. Schließlich seien Männer lange genug Opfer eines Staates gewesen, der Frauen privilegiere, und damit sei jetzt endlich ein für allemal Schluss!

 

Im Jahr vor der Publikation ihres Buches „Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis “ konnte Frau Sünderhauf vom Väteraufbruch für die Mitarbeit in der Projektgruppe „Paritätische Doppelresidenz“ gewonnen werden. In den folgenden Jahren wird Frau Sünderhauf überaus gern gesehen beim Väteraufbruch. Wenige Monate nach dem Beginn ihrer Mitarbeit in der Projektgruppe kommt ihr Buch auf den Markt: Das Buch verrät auf den ersten Blick nichts – Frau Sünderhauf gibt sich streng wissenschaftlich. Ihr Buch wird in Jugendämtern angeschafft, an Politiker verteilt, in Gerichten als Lektüre empfohlen, in Mediationen als ratgebende Lektüre zur Hand gegeben, immer mit dem wohlmeinenden Hinweis an die Mütter: „Wenn ihr Kind nicht wechseln will, sind Sie Schuld und schädigen Ihr Kind!“

 

Aus der Projektgruppe des Väteraufbruchs entwickelt sich in den folgenden Jahren in mehreren Schritten der Internationale Rat der Paritätischen Doppelresidenz (ICSP). Im Vorstand des Rates ist u.a. Frau Hoffmeyer (Bundesvorstand Väteraufbruch). Die Internetseite betreibt Torsten Fabricius, ebenfalls zugehörig zum Bundesvorstand des Väteraufbruchs.

Im wissenschaftlichen Komitee der vom ICSP initiierten internationalen Konferenz zur paritätischen Doppelresidenz arbeitet Frau Sünderhauf u.a. mit Malin Bergström zusammen, auf deren Studien sich obiger, aus dem „Stern“ zitierter Satz bezieht.

 

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und mir die beiden Studien zur Hand genommen:

Das, was da zum Vorschein kommt, übertrifft meine sämtlichen Erwartungen:

„Das stimmt mit früheren Studien überein, die gezeigt haben, dass Eltern in Familien, die im Wechselmodell wohnen, öfter über eine Hochschulbildung und Doppeleinkommen verfügen im Vergleich zu Familien, in denen das Kind nur bei einem Elternteil wohnt.“ (Bergström 2009)

Wo ist hier eigentlich das Ei und wo die Henne? Geht es vielleicht Wechselmodellkindern statistisch gesehen einfach nur deshalb besser, weil das Wechselmodell häufiger von reichen Eltern gelebt wird, die wenig Konflikte miteinander haben? Der Gedanke, dass die psychische Gesundheit der Kinder gar nicht mit dem Wechselmodell, sondern mit dem Konfliktniveau oder dem finanziellen Status der Eltern zusammenhängen könnte, widerspricht der väterrechtlichen Ideologie vom Allheilmittel der Doppelresidenz zutiefst, deshalb muss er natürlich konsequent verschwiegen werden!

In der zweiten Bergströmstudie werden Daten über finanzielle Ressourcen, Konfliktniveau und Bildungsgrad gar nicht erst erfasst:

Dort heißt es wortwörtlich:

„Andererseits sind unsere Daten eingeschränkt, wenn es zu kontextuellen Variablen der Familien kommt, wie zum Beispiel die sozioökonomische Situation oder Ausprägung des elterlichen Konflikts. Im Ergebnis haben wir kein Wissen darüber, wie diese Faktoren die Kinder in den verschiedenen Wohnarrangements beeinflussen….

Es ist auch bekannt, dass Faktoren wie die Konflikthaftigkeit der Eltern und die Fähigkeit, nach der Trennung zu kooperieren, das Wohlbefinden von Kindern beeinflussen. Information über diese Umstände, und die Zeit, die seit der elterlichen Trennung vergangen war, war in dieser Studie nicht zugänglich.

Bergström ist immerhin so ehrlich zu erwähnen: „Eine breit angelegte Studie von Kindern aus 36 Ländern zeigte jedoch, dass Kinder im Wechselmodell und bei einem Elternteil lebend gleiche Lebenszufriedenheit hatten, nachdem im Studienergebnis Familienreichtum berücksichtigt wurde.“ Natürlich wird dieser Zusatz beim Väteraufbruch mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt…

 

Zu Deutsch heißt das für mich: Damit am Ende auch das Ergebnis rauskommt, was den politischen Zielen der Väterlobbyisten nutzt, muss man arme Residenzmodellfamilien mit hohem Konfliktniveau mit reichen Wechselmodellfamilien und geringem Konfliktniveau vergleichen und sämtliche Korrelationen verschweigen! Dann erhält man das Ergebnis „Kinder im Wechselmodell geht es grundsätzlich besser, als Kindern im Residenzmodell!“ und ist mit diesem Ergebnis derartig zufrieden, dass man gleich eine große Medienkampagne startet, damit die neuen Erkenntnisse der Wechselmodellforschung so richtig zur Entfaltung gelangen!

So stimmt die Welt der Väterrechtler wieder. Frau Sünderhauf prägt dazu auf S. 165 ihres Buches den weisen Satz: „Nach Überzeugung der Verfasserin stehen sich bei der Wechselmodelldiskussion Eltern- und Kinderrechte nicht konkurrierend gegenüber – im Gegenteil.“ Mit anderen Worten: Was für Väterrechte gut ist, ist automatisch gut für Kinder!

Der Satz ist so derartig weise, dass der internationale Rat für die paritätische Doppelresidenz höchstpersönlich und in regelmäßigen Abständen mit dem Europarat verkehrt und Frau Sünderhauf dabei gefilmt wird, wie sie den Europarat von der Position des Väteraufbruchs überzeugt. Man ist natürlich beeindruckt: Bei derartig geballter Wissenschaft muss die Resolution 2079 verfasst werden! So geht es tatsächlich nicht weiter mit unseren Kindern!

 

Nur meinen Kindern wird der Satz nichts nützen. Sie stammen nämlich aus einer Bevölkerungsgruppe, die im Weltbild des Väteraufbruchs gar nicht vorkommt: Aus einer kinderreichen Einverdienerfamilie mit wenig Geld und hohem Konflikt. Merkwürdigerweise kommen solche Familien bei Frau Sünderhauf nicht vor, ebensowenig wie Familien, bei denen Väter Kinder zeugen, für Jahre von der Bildfläche verschwinden und dann plötzlich Lust auf ein Wechselmodell bekommen. Es kommen auch nicht Familien mit mehreren Kindern vor, zwischen denen ein großer Altersunterschied besteht, so dass die Wechselei in einzigartigen Stress ausartet, ebeno wenig wie Familien, in denen Kinder daran gewöhnt sind, dass die Mama zu Hause ist, wenn sie aus der Schule kommen. Es kommen auch keine Familien vor, die sich dafür entschieden haben, dass einer der Elterteile auf seine Karriere verzichtet, damit es den Kindern gut geht, ebenso wenig wie Familien mit behinderten Kindern oder mit Kindern, die einen besonderen Förderbedarf haben. Das Weltbild von Frau Sünderhauf und vom Väteraufbruch ist an Eindimensionalität kaum zu überbieten. Und da in den Augen des allgegenwärtigen Väteraufbruchs die menschliche Population nur aus entfremdenden Müttern und diskriminierten Vätern besteht, die gegen ihren Willen zur Berufstätigkeit gezwungen wurden, sollte auch für alle ein und derselbe Regelfall gelten, damit sich das endlich ändert! Und sollte sich das eine oder andere Kind doch gegen das Wechseln aussprechen oder krank werden, ist die Schuldfrage von vornherein geklärt: Die Schuldige ist, wie immer: Die Mutter!
von einer Mutter

Kniende Mutter mit Kind Karlsplatz DSC 7804w