Stellen Sie sich vor, Sie müssten wechseln …

Ich stelle mir vor, ich wäre ein Kind, und ein Gesetz in einem Land würde festlegen, dass ich von nun an die nächsten 15 Jahre in zwei Wohnungen zu leben hätte. Und ich kann nichts dagegen tun. So sehr ich mich danach sehe, endlich einmal irgendwo anzukommen, endlich einmal alle meine Sachen an einem Platz zu haben, endlich einmal von einer Urlaubsreise RICHTIG nach Hause zu kommen – all mein Sehnen wird nicht gehört.

Statt dessen streiten sich meine Eltern darüber, ob es „gerecht“ für sie ist.

Ich muss weiter machen, immer weiter, immer weiter. Auch wenn es mir den Schlaf raubt, ich nervös werde, ich nicht mehr weiß, wo ich hingehöre. Wenn ich selber wählen dürfte und man mir erlaubt, damit aufzuhören, sobald ich das möchte, wäre es vielleicht nicht mal ein Problem und für eine Zeit lang ganz witzig, aber als Zwangsmaßnahme?

Wie schrecklich!!!!

Ich stelle mir vor, wie ich mich als Erwachsene fühlen würde, wenn es eine Regierung gäbe, die so ein Gesetz für Erwachsene erlassen würde. Wie soll ich das mit meinem Job hinbekommen? Der Aufwand – meine ganzen beruflichen Vorbereitungen, mein Schreibtisch, meine Materialien – ich hätte nicht mehr zwei Orte, auf die ich mich konzentrieren muss (meine Arbeit und mein Zuhause), sondern drei!

Ich müsste wer weiß wie viel vorplanen: Wann nehme ich meine Sachen mit wohin? Wohin fahre sich, wenn eine Dienstreise oder eine Urlaubsreise zu Ende geht? Und was mache ich mit meinen persönlichen Dingen? Wo stelle ich sie hin? Und wenn ich gerade etwas brauche, und es ist in der anderen Wohnung? Hätte ich überhaupt noch Lust dazu, Zeit und Liebe in den Ort zu stecken, an dem ich mich gerade, zwangsweise verordnet, aufhalte? Nein, vermutlich nicht. Vermutlich würde ich mich einrichten wie ein Zigeuner, und lieblos auf Kisten kampieren. Wozu eine Wohnung einrichten? Wozu Bilder aufhängen? Wozu das alles doppelt?

Und das alles als Zwang, vom Staat verordnet!

Vermutlich würde ich mich so ohnmächtig fühlen, dass ich über kurz oder lang davon krank werden würde, an Burnout erkranken würde oder keine Lust mehr hätte zu leben.

So ein Leben macht doch keinen Spaß!

Wenn ich mir schon nicht als Erwachsene vorstellen kann, so zu leben, warum sollte ich das dann Trennungskindern in ganz Deutschland zumuten und mich politisch dafür einsetzen?

Diese Kinder haben es ja ohnehin schon schwer genug, weil sie die Trennung ihrer Eltern verkraften müssen. Warum macht man es diesen Kindern NOCH schwerer und mutet ihnen so ein Leben zu? Das ist doch brutal und völlig empathielos.

Meine Empathie Kindern gegenüber bringt mich zwangsweise dazu, ein Wechselmodell als Regelfall abzulehnen.

Oude koffer

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2 Gedanken zu “Stellen Sie sich vor, Sie müssten wechseln …

    1. Danke, dass das mal einer auspricht! Überall wird das Wechselmodell verherrlicht und als DIE Lösung gepriesen. In Wahrheit dient es doch nur dem Egoismus der Elternteile, dass jetzt alles „gerecht“ aufgeteilt ist. Die armen Kinder…

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