Anonymer Bericht einer Mutter zum Wechselmodell

Besonders schlimm ist es mit meiner Wohnung. Eigentlich bin ich eine Frau, die großen Wert auf ein gemütliches Zuhause legt und das Heim gern ein bisschen hübsch macht – frische Blumen, schöne Bilder, liebevolle Erinnerungen, nette Accessoires …

Im Wechselmodell geht diese Liebe zum Detail komplett verloren: Was soll man Zimmer hübsch machen, die die meiste Zeit leer stehen? Zimmer, in denen sich die Kinder ohnehin kaum aufhalten, weil sie entweder beim Vater oder in der Fremdbetreuung sind?

Anfangs funktioniert es noch, in den ersten Jahren ist man noch voll von Motivation und möchte den Kindern in der Hälfte der Zeit wenigstens ein Leben bieten, das so viel Normalität wie möglich hat. Im Lauf der Jahre wird es immer schwerer: Die Zimmer hübsch herzurichten, zu deren Gegenständen die Kinder kaum eine Beziehung aufbauen, weil sie ohnehin nur „zu Gast“ sind, ewig Reisende, ist eine riesige psychische Herausforderung:

Für wie viele gehetzte Minuten werden die Kinder überhaupt wahrnehmen, wo sie sich gerade aufhalten?

Was wird den Kindern davon an Kindheitserinnerung bleiben?

Die Wohnung ist im Laufe der Jahre auch für mich als Mama wie zum Dauercamping geworden: Ein immerwährendes Provisorium, für das sich emotionale Bindung nicht so richtig lohnt. Das Gefühl des immerwährenden Reisens überträgt sich auf mich, auch ich fühle mich schon seit Jahren nicht mehr richtig zu Hause.

Wenn ich die leeren Zimmer aufräume, übermannt mich daher meist ein Gefühl der Sinnlosigkeit: Wozu dieser ganze emotionale und finanzielle Aufwand?

Wozu die vielen, vielen Arbeitsstunden, um eine zur Hälfte leerstehende Wohnung zu finanzieren?

Hätte man diese Zeit nicht irgendwie besser, sinnvoller, schöner nutzen können?

Kulturweg 2f Zimmer