Mein persönlicher Fall: Erzwungenes Wechselmodell und die Folgen

Mit dem Kindesvater wurde ich 2008 ein Paar, wir kannten uns schon vorher und ich habe in seinem Büro gearbeitet. 2009 entschieden wir uns ein Kind zu bekommen. So geschah es im letzten Quartal 2009 und sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt verliefen super. Der Kindesvater trieb währenddessen mit seiner Selbständigkeit in finanziell schwierige Situationen und alles sollte seitens der Bank veräußert werden.

Nach der Geburt wollte ich sofort ein zweites Kind, welches dann im letzten Quartal 2010 zur Welt kam. Während der Schwangerschaft schloss ich mein Studium ab. Durch das Jahr Elternzeit konnte ich mich um vieles auch im Büro kümmern. Die finanziell schwierige Situation wurde noch schlimmer, so dass ich gezwungen war, nach 8 Wochen Mutterschutz mindestens in Teilzeit arbeiten zu gehen. So nahm ich mein zweites Kind regelmäßig mit zur Arbeit und für mein erstes Kind muss ich eine Kundenbetreuung beschäftigen und bezahlen, da der Kindesvater mit seiner Selbständigkeit genug zu tun hatte.

Mitte 2011 konnte ich eine Tagesmutter beauftragen, damit ich kurz darauf mehr Stunden arbeiten konnte. Die finanziell schwierige Situation nahm weiter zu und der Kindesvater brachte kaum Geld mit nach Hause. Im Laufe der Zeit musste ich Job (fürs Geld), die Kinder und den Haushalt managen, während der Kindesvater versuchte, immer mehr auf illegale Wege Geld für seine Selbständigkeit zu erwirtschaften. Aufgrund meiner Job Wahl im Sicherheitsbereich konnte ich alle kriminellen Aktivitäten nicht mehr unterstützen und nahm von seinem Büro Abstand. Immer weniger Arbeiten habe ich durchgeführt.

In 2013 mussten wir umziehen, das bedeutete mehr Mietkosten. Der Kindesvater konnte sich immer noch nicht an den Kosten beteiligen, rutschte jedoch immer weiter in kriminelle Geschäfte ab. Mittlerweile nahm dies Ausmaße an, dass ich die Arbeit in seinem Büro vollständig ablehnte. Mir blieb nur, weiterhin alles mit Job und Kindern zu managen, so dass wir ausreichend Nahrung und Kleidung hatten. Ich fing für die Zukunftsperspektive ein zweites Studium an.

Im Laufe des Jahres 2013 begann die Kontrolle über mein Leben und mein Geld. Der Kindesvater betonte immer häufiger, dass er doch lieber der Ernährer sein möchte und ich doch lieber nur noch die Kinderbetreuung übernehmen soll. Meine Frage, woher er denn das Geld erhalten möchte, konnte oder wollte er nie beantworten.

Kurz vor Weihnachten 2013 besuchte ich einen Bekannten, ich musste raus und musste mich mit anderen Menschen unterhalten. Wir hatten nur ein Auto und dieses war weg, als ich nach Hause fahren wollte. Ich musste im Beisein den Kindesvater anrufen und fragen, ob er das Auto geholt hat. Er bestätigte, dass er das Auto nicht hat und mich abholen kommt. Bis Silvester schrie er mich täglich (im Beisein der Kinder) an, wie man so bescheuert sein kann und sich ein Auto klauen lassen kann. Er fotografierte meine getragene Unterwäsche und zeigte die Bilder allen Bekannten. An Silvester erfuhr ich von meiner Familie, dass der Kindesvater bereits Weihnachten erzählt hat, dass er das Auto geholt und versteckt hat.

Anfang Januar 2014 bestätigte sich diese Aktion. Er nannte es: Es ist ein Denkzettel, den du nie vergessen wirst. Niemals wieder wirst du Weihnachten genießen. Du verstehst ja keine Worte mehr, deshalb müssen Taten folgen. Und das hat mir riesig Spaß gemacht. Ich beendete die Beziehung am selben Abend, wir wollten alles unter uns regeln.

Mitte Januar kam er eines abends nach Hause und verkündete, dass er beim Jugendamt und beim Anwalt war. Er bekommt jetzt 1000 € Unterhalt von mir für die Kinder. Ich lebte zu dem Zeitpunkt in der auf meinen Namen gemieteten Wohnung (der Vermieter wollte in 2013 sicher sein die Miete zu bekommen), er schlief währenddessen bei Freunden. Erst wenige Tage später bin ich selbst zum Jugendamt gegangen und dort wurde mir geraten, dass ich eine Beistandschaft einrichten soll. Dies tat ich, schließlich hielt ich das Jugendamt für eine seriöse staatliche Einrichtung. Ich sollte mich auch bei einer Mediatorin melden, die sowohl mit mir als auch dem Kindesvater Gesprächen führen und vermitteln kann. Nach unseren Einzelgesprächen rief mich die Mediatorin an und sagte: Der Kindesvater redet nicht gut über Sie. Er hat das Ziel, Sie zu vernichten, das sagt er ganz deutlich. Ich kann mit Ihnen keine Mediation durchführen, ich lehne die Aufgabe ab.

Ende Januar 2014 eskalierte die Situation zu Hause, ich wurde verletzt, habe über reagiert und den Kindesvater eingeschlossen und die Polizei gerufen. Die Polizei kam, sorgte sich um uns beide und empfahl, dass er geht. Nachts hatte ich so Angst, dass ich im nächsten Tag in ein Frauenhaus gegangen bin. Dort habe ich das Jugendamt und den Kindesvater informiert. Da es mir wichtig war, dass die Kinder möglichst wenig mitbekommen, habe ich beide regelmäßig zu ihrem Vater gebracht. Nach zwei Wochen waren die Kinder bei ihrem Vater und ich habe meinen Umzug organisiert. Währenddessen hat mein Vermieter meine alte Wohnung an den Kindesvater vermietet, obwohl sich die finanzielle Situation nicht verbessert hat.

Als ich die Kinder abholen wollte, waren weder der Kindesvater noch die Kinder anzutreffen und auch nicht erreichbar. Es war ein Samstag, ich konnte niemanden erreichen. Kindesvater und Kinder waren unbekannt verschwunden. Montags nahm ich Kontakt mit einer Anwältin auf, die sofort einen Eilantrag stellte. Erst zwei Tage später meldete sich der Kindesvater und drohte mir u.a. mit Knast, ich werde die Kinder erst wiedersehen, wenn ich aus dem Knast herauskomme und es mir verdient habe. Eine Woche später die erste Gerichtsverhandlung. Die junge Richterin stellte mich vor die Wahl: Entweder die Kinder bleiben beim Kindesvater oder Sie stimmen den Wechselmodell zu. Die Begründung zu ihrer Aussage war: Die Kinder haben noch keine Nacht bei Ihnen in der Wohnung verbracht. Meine Anwältin riet mir dem Wechselmodell zuzustimmen, was ich dann auch tat. Wir sollten auch zur Mediation. So hatten wir Ende Februar 2014 das Wechselmodell initiiert. Eine ganz neue Situation, mit der sich erstmal alle abfinden mussten.

Die ersten Wochen lief das Wechselmodell ganz schrecklich. Die Kinder weinten nur noch, wollten nicht telefonieren, hatten Albträume und schliefen wieder in meinem Bett. Über die Zeit bei ihrem Vater kann ich nichts sagen. Die Mediation wurde vom Kindesvater nicht ernst genommen. Erstens kam er immer zu spät oder gar nicht und wenn er vor Ort war hatte er „Sprechdurchfall“ (Aussage des Mediators). Er hat die 90 Minuten ohne Pause beleidigt. Die Situation änderte sich keineswegs, so dass ich Anfang April 2014 die Auflösung des Wechselmodells beantragte, mit Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf mich. So riet mir meine Anwältin.

So saßen wir dann im September 2014 wieder im Gericht, es sollte jetzt ein Gutachten erstellt werden. Solange läuft das Wechselmodell weiter, wir sollten weiter zur Mediation. Die Begutachtung startete, natürlich beteiligte ich mich, da ich die Begutachtung gut fand. Plötzlich musste ich einen Test machen. Die Überschrift ließ nichts Gutes ahnen, es ging um Persönlichkeitsstörungen. Nun gut, ich habe eine Erfahrung in meiner Jugend gemacht, ich habe probiert, ob eine Linderung auf den Tod meiner besten Freundin kommt, wenn ich meine Arme aufschneide. Es kam keine Linderung, also ließ ich das lieber sein. Damals war ich 16 und nun heute 33. Und ich gelte als schwer Borderline-krank (so steht es im Gutachten als Aussage des Kindesvaters). Der Test ergab, dass ich völlig normal und „erziehungsfähig“ bin, genau wie der Kindesvater. Das Gutachten empfiehlt weiterhin das Wechselmodell. Während der Begutachtung gab es nachweislich (bestätigt durch die Gutachterin und das Jugendamt) eine Beeinflussung der Kinder durch den Kindesvater, bis hin zu einem Kindesentzug (er war mal wieder nicht zu Hause) im Wechselmodell. Seine Grundangst: Wenn ich einen Tag mehr (31 Tage im Monat) die Kinder bei mir habe könnte ich Unterhalt einklagen.

Der Kindesvater hat zwischenzeitlich mehrere große Strafdelikte begangen, die seitens Strafverfolgungsbehörden untersucht werden. Der Kindesvater ist erneut Vater geworden, jedoch ist die Kindesmutter während der Schwangerschaft abgehauen, weil sie sein Verhalten ihr gegenüber nicht ertragen hat. Bis heute ist er als Vater nicht eingetragen. Im Frühjahr 2015 dann die nächste Verhandlung: Der Richter lehnt meinen Antrag auf Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts ab. Das Wechselmodell soll weiter laufen, die Mediation soll beim Jugendamt weiter stattfinden. So blieb alles beim alten, also alles beim Wechselmodell. Die dritte Mediation startete beim Jugendamt. Ich reichte eine Beschwerde beim OLG ein und schon Ende 2015 gab es das erste Verfahren. Die Gutachterin sollte ergänzend Stellung beziehen, wie es zwischenzeitlich aussieht. Weiterhin empfiehlt sie das Wechselmodell. Aber falls das Wechselmodell aufgelöst werden sollte, dass empfiehlt den Verbleib der Kinder beim Kindesvater, da sie dort aufgewachsen sind und ich als Mutter grundlos ausgezogen bin. Das OLG folgte der Empfehlung der Gutachterin und sprach im Juni 2016 den Beschluss aus, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf den Kindesvater übertragen werden soll.

Einen Tag nach der Verhandlung lag das Schreiben bezüglich Unterhalt im Briefkasten. Ich solle jetzt 1000 € ab sofort auf das Konto des Rechtsanwaltes zahlen. Direkt standen die Sommerferien an, mein älteres Kind kommt zwei Monate später in die Schule. Es gibt keine Umgangsregelung, wir können uns auch mit der vierten Mediatorin nicht auf Umgang einigen. So sehe ich die Kinder direkt nach der Auflösung des Wechselmodells erst einmal gar nicht mehr. Der Kindesvater will sich melden, wenn er die Zeit für angebracht erscheint, dass ich die Kinder sehen darf. Und außerdem solle ich erstmal das Geld zahlen.

Somit reichte ich erneut einen Eilantrag für Sommerferien ein, ebenso für die Umgangsregelung nach den Sommerferien. Innerhalb von 14 Tagen wurde eine Regelung per Gericht getroffen, wie die Sommerferien und die Zeit bis zu den Herbstferien aussehen soll. Den Rest sollen wir in der Mediation klären. Die Ferien waren entspannt. Das erste mal seit zweieinhalb Jahren sehe ich die Kinder fast 3 Wochen am Stück. Vorher hatten sie einen strikten Wochenwechsel, keine Ferien, an Urlaub war gar nicht zu denken. Bis zu den Herbstferien lief der vereinbarte Umgang planmäßig, aber dann gab es keine weiter Regelung. Ich hätte die Kinder jetzt wieder nur noch nach den Vorstellungen des Kindesvater sehen dürfen. Also folgte der nächste Eilantrag. In der nächsten Verhandlung wurde der Umgang dann bis zum 15.01.17 geregelt, inklusive Weihnachten. Den Rest sollen wir in der Mediation klären. Bis Januar 2017 gab es keine Regelung in der Mediation, so dass erneut eine Gerichtsverhandlung angestrebt wurde. Diesmal wurden in einem Hauptsacheverfahren generell die Ferien und der Umgang für 2017 tag genau verhandelt.

Den Umgang für 2018 sollen wir in der Mediation klären. Bislang (Stand Mitte 2017) gibt es keine Regelung für die Umgänge in 2018. Seit März findet keine Mediation mehr statt. Es findet keine Mediation mehr statt, weil der Kindesvater zwischenzeitlich mehrfach schwer erkrankt war und zu viele Strafprozesse gleichzeitig planen muss. Derzeit befindet er sich in einem Strafprozess, der mit bis zu 10 Jahren Haft angesetzt ist.

Gülle-Düngung, Leogang-Grießen 05

Ein Gedanke zu “Mein persönlicher Fall: Erzwungenes Wechselmodell und die Folgen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s