Eine entsorgte Mutter: Gedanken zum Wechselmodell

Von einer guten Freundin:

„Gedanken zum Wechselmodell

Meine Kinder sind zum Glück mittlerweile erwachsen und doch setzt mich die aktuelle Diskussion zum Thema Wechselmodell als Standard und auch gegen den Willen eines Elternteils in eine Zeit der Sorge und Ohnmacht.

Während der Ehe interessierten meinen Mann weder die Kinder, deren Bedürfnisse noch Erziehung. Im Gegenteil. Erst mit meiner Trennung, also der Flucht aus dieser destruktiven Beziehung war es den Kindern gegeben, einen verlässlichen Rahmen mit Struktur, Regeln und Konsequenzen zu erfahren. Es war niemand mehr da, der innerhalb des Haushalt intervenierte und mich konsequent hintergeht.

Trotzdem war es für mich eine Selbstverständlichkeit und wichtig, dass wenigstens nach der Trennung, die Kinder einen Vater haben.

Sie fühlten sich von ihrem Vater verlassen, der sich lieber mit einer Freundin ausgiebig amüsierte und dort seine Mitleidsnummer abzog, was für einer armer Mann er sei und ich – die Ex – so böse.

Einen von mir initiierten Erziehungsbeistand war es auch unbegreiflich, warum der Vater ihn nicht kennen lernen will, da er ja mit seinen Kindern arbeitet und ihnen als neutrale Unterstützung zur Seite stand.

Im Laufe der folgenden Zeit wurde dem Kindsvater wohl klar, was er an Unterhalt zu leisten hat.

Das war die Kehrtwende in seinem Verhalten.

Auf die Paarebene will ich in diesem Zusammenhang nicht weiter eingehen.

Es spielte sich dann so ein, dass die Kinder jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater waren und er sie auch jeder Zeit kurzfristig holen konnte, wenn ihm danach stand oder was unternahm. Da ich meine Wohnung absichtlich in seiner Reichweite genommen hatte, könnten die Kinder auch jeder zeit zu Fuß oder mit dem Rad zu ihrem Vater.

Die Erfahrungen mit den Umgangswochenenden zermürbten, erbrachten ungute Spannungen und Konflikte.
Es fehlten Arbeitshefte, die teuer ersetzt werden mussten, mehrmals.
Es fehlten Hausaufgaben.
Es fehlte Sportsachen.
Es fehlte Kleidung wie z.B. Jacke.

Mir wurde vom Kindesvater immer wieder versichert, er hat es nicht und ich soll meinen ‚Schweinestall‘ aufräumen.

Seltsamer Weise brachte er mit einem miesen Lächeln nach langer Zeit eines nach dem anderen wieder.

Des weiteren war mein Sohn auf dem besten Weg spielsüchtig zu werden, was bei mir zu klaren Absprachen führte, die konsequent eingehalten wurden.

Hingegen wurden bei dem Kindesvater ohne Kontrolle an Zeit und an Spiel sogar unterstützt und geschätzt, dass unser Sohn unbeschränkten Zugang zu Spielen über 18 hatte (er war 11) und sich weiterhin in die virtuelle Welt flüchtete.

Dazu waren noch Ernährungsprobleme ein großes Problem , aber nur bei mir, denn bei seinem Vater hatte er seine Pizza , Pommes und Cheeseburger – wie immer er es haben wollte.

Auch an Vereinbarungen bezüglich der Zeiten zum abholen und bringen, fühlte sich der Kindesvater nie gebunden.

Die Kinder lebten in zwei Welten, bei mir mit Erziehung und Verantwortung und bei ihm mit darfst machen was du möchtest.

Zu diesem Zweck war die Zwischenlösung mit der Next sehr hilfreich, die sich sehr um unsere Kinder bemühte, ihnen alles zurecht zu backen und zu kompensieren, da sie ja eine „so böse Mutter“ haben.

Selbst aufgezeichnete Anrufe ‚ich werde dafür sorgen, dass du in der Gosse landest oder dich umbringst und die Kinder zu mir kommen.‘ , ließen den Erziehungsbeistand nicht intervenieren.

Beide Kinder sind mit der Zeit zu ihrem Vater gezogen. Hobbys und altersgerechter Umgang war Vergangenheit.

Mein Sohn ging nach einiger Zeit auf eigenen Wunsch in ein Heim. Anzunehmen, dass er an den Regeln der abermals Neuen gescheitert ist.

Selbstverständlich trage ich als Mutter die Schuld und habe, seit sie bei ihm wohnen, null Information oder Kontakt.

Und doch bin ich der festen Überzeugung, dass ein Wechselmodell für alle Beteiligten noch schädlicher gewesen wäre.

Ich trat in Kontakt mit SPD Politikern um zu erläutern, wie fatal es sich auswirkt sich für ein solches Wechselmodell als Standard zu positionieren.

Statt in Kommunikation zu treten, gab es eine lapidare sehr niederschmetternde Antwort
„ Es sind ja immer Einzelfallentscheidungen“

Liebe Politik,
Sie haben keine Ahnung, wie es gerichtlich zugeht.
Keine Ahnung, was Kindern und Elternteilen zugemutet wird, was alle Beteiligten alles über sich ergehen lassen müssen.
Was an Ignoranz und unfassbaren Entscheidungen getroffen wird.

Niemand, wirklich niemand ist am Kindeswohl interessiert, sondern lediglich den Bedürfnissen eines Elternteils gerecht zu werden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es elementar wichtig ist, die Mutter/Kind Beziehung nicht zu erschüttern, indem man sie zwingt gegen ihr Kind zu agieren, um es dem Vater und dem Gericht recht zu machen.

Ein Wechselmodell, das nicht im gegenseitigem Einverständnis gelebt wird, mit gemeinsamen Erziehungsstil und – Ziel, wird auch volkswirtschaftlich betrachtet, enormen Schaden anrichten.
Mit besorgten Grüßen
einer entsorgten Mutter

Mülleimer Bahnhof Stadthaus

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Ein Gedanke zu “Eine entsorgte Mutter: Gedanken zum Wechselmodell

  1. Als ich das eben gelesen habe, dachte ich diese Mutter schreibt meine Familiengeschichte. Auch meine Tochter zog zum Vater. Schulwechsel wegen Mobbing. Ich war sofort als Mutter entsorgt und er selbst steckte sie dann in ein Heim. Das Jugendamt konstruierte eine Inobhutnahme im Februar 2015 weil der Vater kein Aufenthaltsbestimmungsrecht (ABR) hatte, um ihm auch noch diesen Wunsch zu erfüllen. Das ABR hatte man ihm schon beim ersten Kindesentzug als meine Tochter 3 Jahre alt war entzogen. Die Kindeswohlgefährdung weshab das Jugendamt meine Tochter retten mussten, war übrigens die drohende Obdachlosigkeit der Tochter, weil er sie nicht mehr in seinem Haushalt haben wollte. Diese hätte man abwenden können, denn ich forderte meine Tochter sofort zurück, bekam sie aber nicht. Nachdem meine Tochter im Heim war, kam sie plötzlich erstmals nach 15 Monaten zum Umgang und wollte dann auch wieder bei mir wohnen. Ich holte sie nach Hause. Das Jugendamt hatte bereits den Antrag bei Gericht eingereicht dem Vater das all. Sorgerecht einer mittlerweile über 17 jährigen zu übertragen. Begründung: Die Mutter ist nicht dazu zu bewegen den Antrag auf die Heimerziehung zu unterschreiben. Welch Kindeswohlgefährdung! Da will doch echt eine Mutter ihr Kind zurück, welches sie bis zum Umzug 16 Jahre bei sich hatte und das bis dahin auch beide Elternteile hatte. Mein Familiendrama, mit den KindesWohlSchändern lief 17 Jahre!!! Ich habe ca 50x im Gericht auftauchen dürfen. Alles bezahlt vom Steuerzahler, weil Hausfrau. Incl. teuerem Gutachten aus bereits dem Jahr 2001 das keinen Interessierte- weil falsches Ergebniss (der Vater benutzt das Kind als Spielball gegen die Mutter) wo dann sein ABR weg war, was er auch noch umging. Dazu kamen dann noch die Heimkosten. Die sich zwischen 4.000-7.000 Euro pro Monat bewegen die meine Tochter im Heim gekostet hat. Sie war 2 Monate dort, bei mir hätte es 4.524 Euro im JAHR Minderjährigenunterhalt gekostet und ich war immer noch Hausfrau, weil mich dies alles mittlerweile arbeitsunfähig gemacht hatte. Meine 5 Wochen Pyschosomatik durfte auch die Allgemeinheit zahlen. Zum 18. Geburtstag bekam meine Tochter ihr erstes eigenen Anwaltsaltsschreiben. Ihr Vater ließ ihr mitteilen, dass er keinen Unterhalt mehr zahlt. Wie wenn dieser jemals frewillig gezahlt hätte, auch dafür durfte der Steuerzahler oft genug hinstehen.

    Ich bin auch gegen ein Wechselmodell als Standart, alleine aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Von meinem Exmann gibt es nämlich leider einige Exemplare, die man nicht auf Kinder loslassen sollte. Solche Typen als Vater zu bezeichnen wäre eine Beleidigung für jeden Vater.

    Und natürlich habe ich meine Tochter gefragt ob es weh tat als ihr Vater nach ihr schlug. Das Jugendamt hatte geschrieben: Es gab Auseinandersetzungen zwischen Vater und Tochter die eskaliert sind“ Deshalb wusste ich es. Das ist nämlich deren Sprachgebrauch gewesen im Bezug zur Partnerschaftgewalt. Auch ein schöner Satz war: Es gelang in diesem Jahr nicht die Tochter in den Haushalt zu integrieren. Na das hat doch was, wo diese Tochter immerhin 14 Jahre regelmässig Umgänge zum Vater. Deshalb NEIN zum Wechselmodell.

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