Spitze, Frau Giffey!

Sehr geehrte Frau Giffey,

in tiefer Fremdscham durfte ich letzte Woche wahrnehmen, wie unsere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Weltfrauentag in den Dreck zog, indem Sie, Frau Giffey, als Schirmherrin eines Väterrechtler-Preises einen Ehemann an diesem Tag als „Spitzenvater des Jahres“ auszeichneten und dessen Leistung alleine darin bestand, dass er sich um seine Kinder kümmert (Applaus, Applaus)!

Man merke: Hausarbeit und Kindererziehung sind immer noch beachtliche Leistungen. Aber nur wenn sie von Männern verrichtet werden. Ich spreche im Kollektiv, wenn wir Mütter, die seit Jahren die kostenfrei Care-Arbeit leisten, uns zurecht mit dieser Auszeichnung verarscht fühlen.

Und in den Nachwehen der weiblichen Entrüstung folgte dann schon gleich der nächste Fauxpas: Frau Familienministerin schmiss sich an den Hals sämtlicher Väterrechtler, um diese nach jahrelangen Mütterbashing mit der allseits eingeforderten Unterhaltsreduzierung zu beglücken.

Sie, Frau Giffey, rotzten ein paar Sätze heraus, die wie ein unfreiwillig abbekommenes Ejakulat an uns kleben bleiben: schleimig, eklig, stinkend:

„Wir brauchen deshalb sowohl eine Reform des Sorge- und Umgangsrechts als auch Änderungen im Unterhaltsrecht, die möglichst viel Flexibilität für verschiedene Betreuungsmodelle lassen. Im Moment ist es ja so, dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat. Daher unterstütze ich das Bundesjustizministerium bei seinen Reformbestrebungen im Unterhalts- und Umgangsrecht.“

Wir sollen also nicht nur auf 5000€ Preisgeld für unsere für selbstverständlich befundene Arbeit verzichten, sondern auch zeitgleich noch auf einen Teil des Unterhalts, der schon jetzt von einem Großteil der Väter nicht gezahlt wird.

Haben Sie in der Schule aufgepasst? Kein Unterhalt minus Unterhaltsreduzierung ergibt nicht gleich Plus, oder wie sehen Sie das? Vielleicht sollten die Sozialdemokraten den ersten Teil ihres Namens einfach mal wegkürzen. Oder sich zumindest in der überübernächsten Wahlperiode mal mit sozialen Themen auseinandersetzen.

Gedemütigt bleiben sämtliche Frauen zurück, deren Ministerin Sie eigentlich sind.

Daher soll es auch nicht um den geehrten „Spitzenvater“ gehen, dessen Name genauso unbedeutend ist wie der der Preisverleiher, sondern um die Austronautin Frau Dr. Insa Thiele-Eich, die traurigerweise einen Doppelnamen trägt und sich somit offenbar dem patriarchischen Machtdiktat fügt.

Wird sich Frau Dr. Insa Thiele-Eich darüber freuen, dass Ihr Mann für etwas ausgezeichnet wird, dass für sie als selbstverständlich vorausgesetzt wird, nur weil sie Schamlippen statt einem Pimmel zwischen den Beinen trägt?

Dafür muss sie sich wohl in den nächsten Monaten/Jahren anhören, dass sie eine Rabenmutter sei, weil sie ihre Kinder ein Jahr alleine lässt? Und überhaupt, warum wird nicht sie geehrt, die nicht nur mit der Geburt der Kinder schon eine höhere Leistung als der Kindsvater mit dem Abspritzen seines Samens erbracht hat, sondern sich nebenbei– scheinbar auch ganz selbstverständlich – als Astronautin vorbereitet?

Welches Genderklischee wollen Sie, Frau Giffey, den jungen Leuten vermitteln?

Soll es ehrenwert sein, wenn Männer ins All fliegen (Alexander Gerst wird seit Monaten wie ein Superstar gehypt), Frauen aber nicht.

Soll es ehrenwert sein, dass Väter sich um ihre Kinder kümmern, Frauen aber nicht?

Soll es überhaupt so sein, dass Männer für jeden Furz ausgezeichnet werden, Frauen aber nicht?

Merken Sie selber langsam etwas?

Wissen Sie, meine Erfahrung ist, dass einige Mädchen zu Frauen heranwachsen, die jahrelang ein Defizit darin sehen, nicht von Jungen und später Männern wahrgenommen zu werden.

In diesem Sinne ist es ein Leichtes sich die Aufmerksamkeit seiner Begierdeobjekte darüber zu holen, indem frau sich den Ideologien dieser Männer nicht nur unterwirft, sondern sich diesen auch anbiedert.

Ich hoffe Sie erhalten mittlerweile die Aufmerksamkeit, die Sie benötigten. Eventuell bekommen Sie dann auch mal wieder den nüchternen Blick für das Wesentliche im Leben.54386809_736408573427226_5276321336921161728_n

Hochachtungsvoll
Jos Art

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